1. Im Maracanã finden sehr viele Spiele statt, und der Rasen bekommt kaum Ruhe
Im Gegensatz zu NFL-Stadien, die pro Saison meist nur acht bis neun Heimspiele austragen, ist der Terminkalender im Maracanã extrem dicht: Das Stadion-Konsortium von Flamengo und Fluminense steuert 2026 auf über 70 Partien zu – bis September waren es bereits 58. Während die NFL-Saison kurz und kompakt ist, muss das Maracanã fast das ganze Jahr über pausenlos bespielt werden, was dem Grün jegliche Erholungsphasen nimmt.
2. Ovaler und runder Ball stellen nicht genau dieselben Anforderungen
Während sich Fußballer wie Agustín Rossi oder Arrascaeta zuletzt öffentlich über Löcher, Unebenheiten und schlechtes Ballrollverhalten beschwerten, gelten für die NFL andere Prioritäten: Da der Football kaum Bodenkontakt hat, stehen Unebenheiten nicht im Fokus. Entscheidend ist stattdessen ein stabiler, ebener Untergrund, der den Spielern bei extremen Richtungswechseln, Sprints und Tacklings die nötige Traktion und Sicherheit bietet.
3. Das Problem ist nicht nur die Anzahl der Spiele, sondern auch deren Zeitpunkt
Eine ungünstige Kombination aus Dauereinsatz und Extremwetter setzte dem Rasen 2026 besonders zu: Fast die Hälfte aller Spiele fand bei oder kurz nach Regen statt, was die Feuchtigkeit extrem anstiegen ließ. Zudem erschwerten Schatten und kältere Temperaturen im Winter das Wachstum der bisher genutzten Grassorte "Bermuda Celebration" erheblich, sodass sich das Grün zwischen den Partien kaum regenerieren konnte.

4. Der Rasen selbst wird ausgetauscht
Dass Handlungsbedarf besteht, zeigt die geplante Umstellung nach der Saison auf den robusteren „Celebration Hybrid“-Rasen, der widerstandsfähiger gegen Schatten, Dürre und Kälte ist sowie eine schnellere Regeneration verspricht. Diese Maßnahme war allerdings schon vor der NFL-Ankündigung wegen der anhaltenden Kritik von Trainern und Spielern beschlossen worden – die US-Liga trifft schlicht auf ein bereits bestehendes, strukturelles Problem.
5. Was unternimmt die NFL mit dem Rasen?
Seit der Übernahme der Regie direkt nach dem Spiel Flamengo gegen Bragantino am 20. September präpariert ein spezialisiertes NFL-Team das Spielfeld mit eigenen Schutzabdeckungen und speziellen Pflegemaßnahmen. Um den Anforderungen der Liga zu entsprechen, beschränken sich die Arbeiten jedoch nicht nur auf die Markierungen: Auch Kabinen, Torstangen, Spielfeldmaße und die erweiterten Sicherheits- und Auslaufzonen mussten für das Football-Event angepasst werden.
6. Ist die NFL besorgt oder nicht?
Trotz der Debatten sieht die NFL keinen Grund für eine Verlegung: Sowohl Rasenbeauftragter Nick Pappas als auch Cowboys-Miteigentümer Stephen Jones zeigten sich zuversichtlich, dass die beschleunigten Vorbereitungsmaßnahmen greifen. Zwar erwartet niemand einen makellosen Teppich, doch die Liga ist überzeugt, einen absolut sicheren und regulären Untergrund für das Spiel bereitstellen zu können.
7. Das Seltsame ist der unterschiedliche Blickwinkel
Die Aufregung entsteht vor allem durch das Aufeinandertreffen zweier völlig unterschiedlicher Sportwelten: Was aus Fußballersicht ein sanierungsbedürftiger Platz ist, bewertet das Spezialistenteam der NFL als lösbare Aufgabe für ein Einzel-Event. Am Ende prallt der Dauerbetrieb eines südamerikanischen Fußball-Mekkas auf die akribische Logistik einer US-Profiliga – wie gut diese Symbiose funktioniert, wird sich am Sonntag auf dem Feld zeigen.
Zum Match-Center: Dallas Cowboys vs. Baltimore Ravens
