Nach dem genialen Moment in der Verlängerung lächelte Dominik Bokk zufrieden. Sein Handgelenkschuss mit 141 Stundenkilometern in den Winkel hatte den Kölner Haien den 4:3-Sieg im vierten Playoff-Halbfinale gegen Titelverteidiger Eisbären Berlin und damit den Serienausgleich beschert - und allen gezeigt, warum der 26-Jährige einst als größtes deutsches Eishockey-Talent nach Leon Draisaitl galt.
Acht Jahre nachdem er in der ersten Runde von den St. Louis Blues im NHL-Draft gezogen wurde, scheint Bokk nach langer Reise und vielen Rückschlägen doch noch seinen Platz im Eishockey gefunden zu haben. Damals ein NHL-Star in spe, der Erste einer außergewöhnlichen Generation, derjenige, der vier Tricks in einer Sekunde macht, spielt er heute in Köln in der DEL endlich die tragende Rolle, die ihm eigentlich in der besten Liga der Welt zugetraut worden war.
Zum Match-Center: Kölner Haier vs. Eisbären Berlin (Spiel 4)
Highlight um Highlight in den Playoffs
"Ich habe gesehen, dass da ein bisschen Platz für mich war", beschrieb Bokk bei MagentaSport sein Siegtor, deshalb habe er sich entschieden, unter dem Schläger des Berliner Kapitäns Kai Wissmann "ins lange Eck zu schießen". Es war sein zweiter Treffer an diesem Abend, sein vierter in der Serie und sein fünfter in den Playoffs. Die Haie, die ihn vor der Saison von den Löwen Frankfurt verpflichteten, sehen den besten Bokk seit langer Zeit. Sein spektakuläres Solo mit Rückhandschlenzer in den Winkel zum entscheidenden dritten Tor beim 5:1 im zweiten Duell mit Berlin ist bislang das Highlight der Playoffs.
"Die Stimmung ist unglaublich, ich will einfach alles geben für dieses Team", sagte der gebürtige Franke, der einst als schlampiges Genie galt. "Wir haben so viel Potenzial. Es macht jeden Tag Spaß, in die Halle zu kommen, deswegen arbeite ich so hart." In Köln hatte er als Teenager erstmals auf sich aufmerksam gemacht, als er mit den Junghaien die Schüler-Meisterschaft gewann und später in der U19 als bester Nachwuchsstürmer ausgezeichnet wurde.
In Köln sein "Lächeln" wiedergefunden
St. Louis draftete ihn 2018 folgerichtig früh und glaubte, sich Deutschlands nächstes Ausnahmetalent nach Draisaitl geschnappt zu haben. Bei der U20-WM anderthalb Jahre später stellte Bokk als bester deutscher Scorer seine Teamkollegen Tim Stützle, Moritz Seider und John-Jason Peterka in den Schatten. Doch während das Trio sich zu Leistungsträgern in der NHL mit Starpotenzial entwickelte, wurde Bokk abgeschoben - mehr als einmal.
Erst nach Schweden, wo er schon vor dem Draft gespielt hatte, dann nach dem Wechsel von St. Louis nach Carolina in die unterklassige AHL, schließlich zurück nach Deutschland, wo er zwar mit den Eisbären 2022 Meister wurde, aber nur eine Nebenrolle spielte. Auch in der Nationalmannschaft war er selten gefragt: Der damalige Bundestrainer Toni Söderholm lud ihn zu elf Testspielen und einem Deutschland Cup ein, zu einer WM nahm er ihn aber nie mit. Sein Nachfolger Harold Kreis überging ihn bislang.
In Köln hat er inzwischen sein Defensivspiel deutlich verbessert und die Freude am Eishockey wiedergefunden. Ins fünfte Halbfinale am Freitag (19.30 Uhr/MagentaSport) in Berlin geht er deshalb "mit einem Lächeln".
Zum Match-Center: Eisbären Berlin vs. Kölner Haie (Spiel 5)
