Luca Reggiani und Samuele Inacio, beide Jahrgang 2008 und inzwischen Teil des Profikaders von Borussia Dortmund, sind in den Champions-League-Playoffs gegen Atalanta Bergamo gescheitert. "La Dea" steht wie kaum ein anderer für exzellente Nachwuchsarbeit in Italien. Besonders für Inacio war das Duell emotional aufgeladen: Bis vor Kurzem war Bergamo noch seine sportliche Heimat.
Das Jahr 2008 markiert in vielerlei Hinsicht einen Wendepunkt. Atalanta befand sich damals noch im Besitz der Familie Ruggeri, ehe Präsident Ivan Ruggeri nach einer Hirnblutung die Verantwortung an seinen Sohn Alessandro übergeben musste. Damit ging eine Ära zu Ende, in der die Stärke des Vereins vor allem in seiner Jugendförderung lag, während die erste Mannschaft sportlich weniger im Rampenlicht stand.
Im selben Jahr wurden auch zwei Talente geboren, die nun auf großer Bühne aufeinandertreffen: Luca Reggiani am 9. Januar in Modena und Samuele Inacio am 2. April in Bergamo, wo sein Vater Pià lebte, der damals von Napoli an Catania ausgeliehen war.
Heute erlebt Atalanta unter der Führung der Familie Percassi und mit Unterstützung einer nordamerikanischen Investorengruppe eine sportliche Blütezeit. Seit fast einem Jahrzehnt ist der Klub regelmäßig international vertreten und krönte diese Entwicklung im Frühjahr 2024 mit dem Gewinn der Europa League. Parallel dazu floriert weiterhin die Nachwuchsarbeit, aus der Spieler wie Scalvini oder Palestra hervorgegangen sind.
Physische Präsenz trifft technische Finesse
Im Duell mit Borussia Dortmund standen nun zwei der vielversprechendsten italienischen Talente ihrer Generation im Kader. Reggiani wechselte vor rund eineinhalb Jahren aus der Jugend von Sassuolo nach Dortmund und hat sich dort schnell etabliert. Nach einem U17-Titel gehört er mittlerweile fest zum Team von Trainer Niko Kovač.
Mit seinen 1,94 Metern vereint der Innenverteidiger körperliche Dominanz mit bemerkenswerter Technik und Spielkontrolle. Sein Aufstieg verlief rasant: Der kroatische Coach schenkte ihm früh Vertrauen und setzte ihn aufgrund von Verletzungen zuletzt mehrfach von Beginn an ein. Auch wenn er gegen Atalanta nicht zum Einsatz kam, hat sich der Defensivmann klar für weitere Einsätze empfohlen.
Ganz anders, aber ebenso beeindruckend, präsentiert sich Samuele Inacio. Der Flügelspieler verbindet brasilianische Leichtigkeit mit italienischer Spielintelligenz. Von seinem Vater Pià hat er nicht nur die doppelte Staatsbürgerschaft geerbt, sondern auch Beweglichkeit, Kreativität und ein feines Ballgefühl. Als Topscorer der italienischen U17-Nationalmannschaft hat er bereits auf sich aufmerksam gemacht und orientiert sich spielerisch an Neymar – insbesondere in puncto Tempo und Dribbling.
In den vergangenen Wochen stand Inacio regelmäßig im Kader der ersten Mannschaft Dortmunds und könnte bald sogar vor seinem Profidebüt stehen. Für Inacio war das Spiel in Norditalien trotz des Bankplatzes eine emotionale Rückkehr. Unabhängig von taktischen Überlegungen bleibt es ein Genuss, ein solches Talent zu beobachten: modern, kreativ und zugleich mit einer fast romantischen Spielfreude ausgestattet. Die Hoffnung vieler italienischer Fans ist klar: dass sowohl er als auch Reggiani eines Tages den Weg in die A-Nationalmannschaft finden.
Ein Wechsel mit Folgen
Der Wechsel Inacios nach Dortmund hat jedoch Spuren hinterlassen, insbesondere im Verhältnis zwischen den beiden Vereinen. Die Spannungen sind bis heute spürbar. So wurde im Vorfeld des Rückspiels sogar das traditionelle gemeinsame Mittagessen der Klubverantwortlichen abgesagt.
Atalanta sieht sich im Fall Inacio benachteiligt. Geschäftsführer Luca Percassi äußerte sich bereits vor dem Hinspiel deutlich: Der Verein habe den Transfer als intransparent empfunden und den Fall deshalb an die FIFA übergeben. Man sei überzeugt, im Recht zu sein.
Zwar war bekannt, dass der minderjährige Spieler grundsätzlich frei entscheiden konnte, doch die Enttäuschung über den Verlust eines so vielversprechenden Talents ist in Bergamo weiterhin groß. Besonders kritisch wird gesehen, dass Borussia Dortmund offenbar nicht bereit gewesen sei, die Sichtweise Atalantas in direkten Gesprächen zu berücksichtigen.
