Ex-Wolfsburger glänzt in London: Was Tottenham in Micky van de Ven verlieren könnte

Tottenhams Micky van de Ven im Spiel gegen Arsenal
Tottenhams Micky van de Ven im Spiel gegen ArsenalČTK / imago sportfotodienst / Paul Terry

Die Niederlage im North London Derby gegen Arsenal am letzten Wochenende kam für viele Tottenham-Fans nicht überraschend. Dennoch dürften einige Optimisten Hoffnung geschöpft haben – nicht zuletzt wegen Micky van de Ven und der Rolle, die er unter dem neuen Trainer Igor Tudor eingenommen hat.

Tudor gelang es, in seinen Interviews vor dem Spiel eine positiven Ausstrahlung zu vermitteln. Auch wenn er nicht ganz in die gleiche Kategorie wie Antonio Conte oder José Mourinho fällt, trat er mit ähnlicher Autorität und Entschlossenheit auf.

Er überzeugte von Beginn an durch Klarheit und Zielstrebigkeit. Mit seinem Fokus auf eine gestärkte Mentalität setzte der Kroate früh ein deutliches Zeichen an die Spurs-Anhänger. Ob dieser Ansatz langfristig Erfolg bringen wird, muss sich jedoch erst auf dem Platz zeigen. Gerade gegen die Gunners wurde deutlich, dass es an vielem fehlte.

Für Diskussionen sorgten zudem Aufnahmen in den sozialen Medien: Darin schien der Kapitän des Spiels, Micky van de Ven, Anweisungen aus der Coaching-Zone zu ignorieren. Die Szene spaltete die Gemüter: Während einige darin ein Sinnbild für Tottenhams aktuelle Probleme sehen, halten andere die Interpretation für überzogen und die Situation für aus dem Kontext gerissen.

Unabhängig davon ist klar: Die Vertragsgespräche mit Van de Ven liegen derzeit auf Eis. Berichten zufolge möchte sich der Niederländer nicht langfristig binden, bevor die sportliche Situation geklärt ist. Zunächst will er helfen, die Krise zu bewältigen und einen möglichen Abstieg zu verhindern, bevor er seine Zukunft neu bewertet.

Thema Abstieg wabert bei Tottenham

Der Ex-Wolfsburger hat in kurzer Zeit von Ange Postecoglou bis Thomas Frank mehrere Trainerwechsel miterlebt, ohne dass sich die Lage nachhaltig verbessert hätte. Gleichzeitig kämpft Tudor aktuell mit zahlreichen Verletzungen im Kader, was die Zusammenstellung einer konkurrenzfähigen Startelf erschwert. All das dürfte eine Rolle spielen, wenn die Gespräche mit der Vereinsführung wieder aufgenommen werden.

Trotzdem steht Tottenham nicht unter unmittelbarem Verkaufsdruck. Van de Ven wird zu Beginn der Saison 2026/27 erst 25 Jahre alt sein und besitzt einen Vertrag bis 2029. Die Spurs hatten ihn für knapp 40 Millionen Euro verpflichtet, sein Marktwert soll inzwischen bei rund 70 Millionen liegen. Gerade im Falle eines Abstiegs könnte ein Verkauf wirtschaftlich attraktiv erscheinen. Auch für den Spieler selbst könnten andernorts deutlich höhere Gehälter winken als die derzeitigen knapp 500.000 Euro pro Monat.

Sportlich wäre ein Verlust jedoch schwer zu kompensieren. Van de Ven ist ein außergewöhnlicher Allrounder: In 83 von 84 Einsätzen stand er in der Startelf. Er vereint physische Stärke mit bemerkenswerter Schnelligkeit und der Fähigkeit, das Spiel aus der Defensive heraus anzukurbeln.

Seine Passquote lag seit seinem Wechsel nie unter 86,5 Prozent und erreichte Spitzenwerte von bis zu 96,5 Prozent. Hinzu kommen 369 Ballgewinne in zweieinhalb Saisons sowie 558 gewonnene Eins-gegen-Eins-Duelle.

Micky van de Ven Passkarte - Premier League 2025/26
Micky van de Ven Passkarte - Premier League 2025/26Opta by Stats Perform

Überraschend ist lediglich, dass seine Kopfballstärke nicht ganz den Erwartungen entspricht: Zwar konnte er 150 Kopfbälle klären, doch bei Luftduellen hält sich seine Bilanz mit jeweils 115 gewonnenen und verlorenen Duellen die Waage. Dennoch sprechen 280 Klärungen und 69 erfolgreiche Tacklings bei 113 Versuchen für seine defensive Qualität.

Auch offensiv setzt er Akzente: Zehn Tore und drei Vorlagen (darunter ein spektakulärer Treffer in der Champions League gegen Kopenhagen) sind für einen Innenverteidiger mehr als respektabel.

Van de Ven als Symbol für Spurs-Zukunft

In einer Zeit, in der Verträge im Profifußball oft an Bedeutung verlieren und Spieler großen Einfluss auf ihre Zukunft haben, ist klar: Tottenham muss alles daran setzen, van de Ven zu halten. Auch wenn ihm möglicherweise noch Führungsqualitäten fehlen, bringt er Fähigkeiten mit, die auf diesem Niveau selten sind.

Gerade jetzt gewinnt das Vereinsmotto "Audere est Facere – To Dare is to Do" besondere Bedeutung. Verein, Mannschaft und Umfeld müssen gemeinsam daran arbeiten, dass van de Ven seine Zukunft weiterhin bei Tottenham sieht – kurz-, mittel- und langfristig.

Jason Pettigrove
Jason PettigroveFlashscore