Tottenhams Transfer-Offensive - geht's für die Spurs jetzt von "Zero to Hero"?

Sandro Tonali und Mateus Fernandes sind Teil der Tottenham-Revolution unter Roberto De Zerbi
Sandro Tonali und Mateus Fernandes sind Teil der Tottenham-Revolution unter Roberto De ZerbiReuters / Flashscore

Als Tottenham Hotspur am letzten Spieltag der Premier League-Saison 2025/26 gegen Everton auf den Platz ging, war allen klar: Wenn sie nicht verlieren, bleiben sie in der höchsten englischen Spielklasse. Hätten sie gegen die Toffees verloren und West Ham hätte Leeds United geschlagen, wären es die Spurs gewesen, die den Weg ins Unterhaus hätten antreten müssen.

Nach der sportlichen Nahtoderfahrung des Traditionsklubs war den Verantwortlichen klar, dass einiges getan werden muss. Dafür sind die Spurs in die Transferoffensive gegangen und greifen tief in die Tasche.

Mateus Fernandes wechselt von East London nach N17

Am Ende reichte trotz eines nervenaufreibenden und angespannten Nachmittags in London das Tor von Joao Palhinha in der 43. Minute, um Robert De Zerbis Team in der Liga zu halten und die Hammers in die Championship zu schicken.

Für die Irons hatte der Abstieg zwangsläufig Konsequenzen. Eine der ersten war, dass einer ihrer besten Spieler der Saison, Mateus Fernandes, East London Richtung Norden verlässt, um sich der De Zerbi-Revolution anzuschließen.

Mit einer kolportierten Ablösesumme von 85 Millionen Pfund (ca. 99 Millionen Euro) wird der Youngster, der bislang erst 72 Premier-League-Einsätze vorweisen kann, zum Rekordtransfer der Spurs.

Tonali als nächstes Ziel

Doch der Klub könnte diesen Rekord schon bald erneut brechen: Es wurde bekannt, dass man sich mit Newcastle auf eine Ablöse von 92,5 Millionen Pfund (+ 7,5 Millionen Pfund an Boni), also ca. 108 Millionen Euro für den herausragenden Mittelfeldspieler Sandro Tonali geeinigt hat.

Sobald dieser Transfer offiziell ist, wird Tottenhams Transfersommer die 200-Millionen-Pfund-Marke deutlich überschreiten. Denn bereits zuvor wurden Jan Paul van Hecke von Brighton & Hove Albion für 52 Millionen Pfund verpflichtet sowie Andrew Robertson, Martin Dubravka und Marcos Senesi ablösefrei geholt.

Selbst wenn bis zum Saisonstart 2026/27 im August keine weiteren Transfers mehr getätigt werden, ist das ein beeindruckendes Transferfenster von De Zerbi. Nach zwei wirklich schwierigen Jahren verdient der Vorstand großes Lob dafür, den Trainer diesmal voll zu unterstützen – etwas, das in der Vergangenheit oft gefehlt hat. Was also bringen die von De Zerbi verpflichteten Spieler mit, was er vielleicht zuvor in seinem Kader vermisst hat?

Spieler mit Offensivdrang und Aggressivität

Abgesehen von Dubravka, der als Ersatztorwart geholt wurde, hat er eine Mischung aus Spielern verpflichtet, die nicht nur über herausragende physische Eigenschaften verfügen, sondern auch offensiv denken und bei jeder Gelegenheit mutig nach vorne spielen wollen.

Wenn man sich auf De Zerbi verlassen kann, dann darauf, dass seine Teams attraktiven, schnellen und pressingorientierten Fußball spielen – und vor allem mutig mit dem Ball umgehen.

Man hat immer das Gefühl, dass der Italiener – ähnlich wie Pep Guardiola – viel Kreativität und Spielfreude in seinen Teams sehen will und Fehler dazugehören. Statt Zögern und Sicherheitsfußball, wie es die Spurs in großen Teilen der Saison 2025/26 gezeigt haben.

Solange Verletzungen dem Trainer keinen Strich durch die Rechnung machen – wie es bei Ange Postecoglous letzter Saison der Fall war – baut De Zerbi Stein für Stein eine dynamische und aufregende erste Elf der Lilywhites sowie einen breiten Kader auf.

Tonali und Fernandes ergänzen sich perfekt

Tonali hat bei Newcastle gezeigt, wie er Spiele an sich reißen und entscheidend prägen kann. Nur Bruno Guimaraes kreierte mehr Chancen als Tonalis 32, und nur Malick Thiaw spielte bei Newcastle mehr als die 2.458 Pässe des Italieners. Was Pässe ins letzte Drittel angeht, war Tonali mit insgesamt 1.563 Versuchen und 1.319 erfolgreichen Zuspielen sogar einsame Spitze.

Sandro Tonali Radar-Grafik – Premier League 2025/26
Sandro Tonali Radar-Grafik – Premier League 2025/26Opta by Stats Perform

Mit dem zweikampfstarken Fernandes an seiner Seite im zentralen Mittelfeld der Spurs bekommt Tonali die nötige Freiheit, um sein volles Potenzial auszuspielen. Wie West Ham den Verlust des 21-Jährigen verkraften wird, bleibt abzuwarten.

Mateus Fernandes Passkarte – Premier League 2025/26
Mateus Fernandes Passkarte – Premier League 2025/26Opta by Stats Perform

384 geführte Eins-gegen-eins-Duelle waren letzte Saison nur von Jarrod Bowen bei den Hammers übertroffen worden. Eine Passquote von 87 % war nur minimal schlechter als die 88,88 % von Max Kilman.

193-mal den Ball zurückerobert zu haben, unterstreicht zudem Fernandes' Qualitäten – und gibt den Spurs die dringend benötigte "Achse" im Team.

Van Hecke und Van de Ven – ein Traumduo

Eine Achse, zu der auch De Zerbis Liebling aus Brighton-Zeiten, van Hecke, gehört. Der 26-jährige Niederländer hatte mit 121 die meisten Kopfballklärungen und mit 202 die meisten Klärungsaktionen aller Seagulls-Spieler in der Saison 25/26. Seine 56 Tacklings bei einer Erfolgsquote von 55,36 % waren teamintern der drittbeste Wert.

Jan Paul van Hecke und Micky van de Ven im Einsatz für die Niederlande gegen Algerien
Jan Paul van Hecke und Micky van de Ven im Einsatz für die Niederlande gegen AlgerienČTK / imago sportfotodienst / IMAGO

Auch im Spielaufbau ist er extrem sicher und kann den Ball problemlos von hinten nach vorne tragen: Mit 2.670 gespielten Pässen führte er auch hier das interne Ranking bei Brighton an. Zusammen mit Landsmann Micky van de Ven bilden sie ein Duo, das schwer zu überwinden sein wird.

Das Gesicht der Spurs-Startelf wird sich dadurch grundlegend verändern. Aus Fansicht bleibt zu hoffen, dass die Revolution – und nicht eine langsame Entwicklung – sofort Früchte trägt.