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DFB muss Stadien zählen: WM-Bewerbung im Zeichen der Aufstockungs-Fantasien

DFB-Präsident Bernd Neuendorf befasst sich derzeit mit einer möglichen WM-Bewerbung.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf befasst sich derzeit mit einer möglichen WM-Bewerbung.FEDERICO GAMBARINI / DPA PICTURE-ALLIANCE VIA AFP

Wahrscheinlich muss Bernd Neuendorf demnächst noch einmal nachzählen, ob "seine" Stadien überhaupt reichen. Schließlich nahm der DFB-Präsident die erneuten Aufstockungs-Fantasien noch nicht so richtig ernst, als er im November 2025 mit der Idee einer WM-Bewerbung um die Ecke kam. "Klar ist, dass es nur wenige Verbände in der Welt gibt, die die Infrastruktur haben, um ein solches Turnier mit 48 Mannschaften und den damit einhergehenden Anforderungen zu stemmen", sagte Neuendorf damals: "Wir können selbstbewusst sagen, dass wir eine ausgezeichnete Infrastruktur besitzen."

Nur rund acht Monate später ist allerdings fraglich, ob die Infrastruktur eines Landes überhaupt ausreichen kann. Mittlerweile hat FIFA-Präsident Gianni Infantino so oft von möglichen 64 Teilnehmern in der Zukunft gesprochen, dass der dazugehörige Beschluss des Weltverbandes nur noch eine Frage der Zeit zu sein scheint. Sollte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seine Pläne für eine Ausrichtung der Endrunde 2038 oder 2042 also weiter vorantreiben, muss er sie wohl oder übel anpassen.

Die bisherigen Überlegungen des Verbandes hinsichtlich einer dritten Endrunde in Deutschland nach 2006 und 1974 (Bundesrepublik) hat Neuendorf kurz vor dem Start der WM in Nordamerika dem Bundesliga-Präsidium vorgestellt. Orientiert haben sich Pläne an den derzeit gültigen Vorgaben der FIFA, die 14 Stadien mit einem Fassungsvermögen von mindestens 40.000 Plätzen verlangen. Demnach wären Berlin, Leipzig, Köln, Hamburg, Hannover, Bremen, Düsseldorf, Gelsenkirchen, Dortmund, Frankfurt, Kaiserslautern, Mönchengladbach, München und Stuttgart als Austragungsorte vorgesehen.

Mit Blick auf die Regularien ist noch nicht ganz klar, ob 2038 oder erst 2042 in Frage kommt. Die Endrunden 2030 (Uruguay, Argentinien, Paraguay, Spanien, Portugal und Marokko) sowie 2034 (Saudi-Arabien) sind bereits vergeben. Gemäß der zurückliegenden FIFA-Vorgehensweise bei der Vergabe könnte sich Deutschland wohl erst für die Ausrichtung 2042 bewerben - allerdings handhabt der Weltverband die Auslegung seiner Statuten unter Infantino bekanntlich ziemlich flexibel.

Infantino selbst gilt als großer Unsicherheitsfaktor bei der Bewerbung. Der Schweizer möchte im kommenden Jahr bis 2031 im Amt bestätigt werden. Trotz aller Kritik gilt seine letztmögliche Wiederwahl nach derzeitigem Stand als sicher. Eine Vergabe für 2038 - vielleicht auch für 2042 - würde noch in seine Amtszeit fallen. Und da am Willen Infantinos in der FIFA kein Weg vorbeiführt, müsste der DFB auf Schmusekurs mit dem umstrittenen Boss gehen.

Deutschland will für Werte stehen

Ein Dorn in Infantinos Auge dürfte allerdings schon das gewesen sein, was Christiane Schenderlein zuletzt hinsichtlich einer deutschen Bewerbung gesagt hat. Eine WM biete der Politik Gestaltungsmöglichkeiten, äußerte die Sportstaatsministerin bei RTL/ntv, eine Show der FIFA werde es nicht werden.

"Wenn wir es im eigenen Land machen, kann man eben auch schon darauf Einfluss nehmen, auf die Werte, die uns wichtig sind", sagte Schenderlein. Zu diesen Werten zählte die CDU-Politikerin ausdrücklich "Transparenz", "Zusammenhalt", "Respekt", "Nachhaltigkeit" sowie "die Wahrung von Menschenrechten".

Die Einhaltung dieser Kriterien kann der DFB übrigens in jedem Fall schon bald unter Beweis stellen: Die Frauen-EM 2029 wurde bereits an Deutschland vergeben.