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"Piratische Thronräuber": Argentiniens Vizepräsidentin giftet gegen England

Victoria Villarruel hat sich mit markigen Worten vor dem WM-Halbfinale gegen England geäußert.
Victoria Villarruel hat sich mit markigen Worten vor dem WM-Halbfinale gegen England geäußert.JUAN MABROMATA / AFP

Kurz vor dem Halbfinale der Weltmeisterschaft 2026 zwischen Argentinien und England hat die argentinische Vizepräsidentin Victoria Villarruel die Stimmung angeheizt. Auf der Plattform X bezeichnete sie die Engländer als "piratische Thronräuber".

"Ich werde weder politisch korrekt sein noch eine Warmduscherin. Gegen die Engländer ist es immer etwas Besonderes. Es geht um die Malwinen, um Diego (Maradona), um Leos letztes Mal und darum, den Invasoren die Stirn zu bieten", schrieb Villarruel am späten Dienstagabend. Mit Blick auf das Halbfinale am Mittwoch legte sie nach: "Morgen spielen wir gegen die piratischen Usurpatoren. Das ist kein gewöhnliches Spiel."

Der familiäre Hintergrund der Vizepräsidentin erklärt ihre emotionale Haltung: Ihr Vater war ein hochdekorierter Veteran des Falklandkriegs von 1982. Damals führten die argentinische Militärdiktatur und Großbritannien einen 74-tägigen Krieg um die Souveränität der Inselgruppe (in Argentinien "Malvinas" genannt). Der bewaffnete Konflikt forderte das Leben von 649 argentinischen und 255 britischen Soldaten und endete mit dem Sieg des Vereinigten Königreichs – ein Streit, der auf diplomatischer Ebene bis heute andauert.

"Vamos Argentina! Denn bis zum letzten Atemzug werden wir unser Recht einfordern!", schloss Villarruel ihren emotionalen Appell. Neben den geopolitischen Spannungen erinnerte sie auch an Diego Maradona. Dieser hatte Argentinien im WM-Viertelfinale 1986 mit zwei legendären Toren – dem berühmten "Tor des Jahrhunderts" und der umstrittenen "Hand Gottes" – zu einem historischen 2:1-Sieg über England und später zum WM-Titel geführt.

Die scharfen Töne der Vizepräsidentin stehen in direktem Kontrast zur betont gelassenen Haltung von Nationaltrainer Lionel Scaloni und seinen Spielern. Das Team bemüht sich sichtlich, die politische und historische Brisanz auszublenden. "Es ist ein Fußballspiel, nicht mehr. Alles andere hineinzumischen, wäre verrückt", stellte Scaloni klar.

Kontrast zur Haltung des Teams

Unterdessen greifen auch die Sicherheitsbehörden durch: Argentiniens Sicherheitsministerin Alejandra Monteoliva erklärte am Dienstag im Radiosender La Red, dass gemäß den Sicherheitsvorgaben im US-amerikanischen Atlanta keine Fahnen oder Symbole mit Bezug zu den Falklandinseln im Stadion erlaubt sein werden. "Fahnen mit solchen Botschaften bleiben draußen", betonte Monteoliva. Man wolle alles verhindern, "was eine Provokation darstellen könnte".

Dies dürfte den argentinischen Fans jedoch schwerfallen. Bezüge zu den Malvinas sind sowohl auf den Bannern der Vereinskurven als auch bei der Nationalmannschaft allgegenwärtig und fester Bestandteil der Fangesänge. Darauf angesprochen, entgegnete die Ministerin schmunzelnd: "Das wird schwieriger – man kann den Leuten schließlich schlecht den Mund verbieten."