Proteste in Mexiko: Blockaden am Aztekenstadion kurz vor WM-Beginn

Ein Demonstrant der Lehrergewerkschaft CNTE in Mexiko-Stadt
Ein Demonstrant der Lehrergewerkschaft CNTE in Mexiko-StadtDaniel Cardenas / Anadolu via AFP

Nur wenige Tage vor dem Anpfiff der Weltmeisterschaft 2026 spitzt sich die Lage in Mexiko-Stadt zu: Tausende Demonstranten blockierten am Dienstag eine zentrale Zufahrtsstraße zum legendären Aztekenstadion, wo am Donnerstagabend das Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika stattfinden soll.

Während Millionen Fußballfans in die drei Gastgeberländer USA, Kanada und Mexiko strömen, wird die mexikanische Hauptstadt von chaotischen Lehrerprotesten gelähmt. Angeführt wird der jüngste Protest von einer Abspaltung der Lehrergewerkschaft CNTE. Die Aktion reiht sich ein in eine Woche voller Demonstrationen, die Präsidentin Claudia Sheinbaum scharf als "Provokation" kritisierte. "So nach dem Motto: ‚Schaut mal, wie schlimm die Lage in Mexiko ist‘", erklärte sie auf einer Pressekonferenz.

Zum Match-Center: Mexiko vs. Südafrika

Dabei steht das Land unter enormem Zeitdruck: Am Donnerstag soll im Aztekenstadion das Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika angepfiffen werden. Ein weltweites Millionenpublikum wird zu den feierlichen Zeremonien und dem Match vor den Bildschirmen erwartet. Um Proteste rund um die Arena zu verhindern, haben die Behörden bereits Tausende Einsatzkräfte mobilisiert und massive Betonbarrieren errichtet.

Die Demonstrierenden zeigen sich davon jedoch unbeeindruckt. "Wir haben vor, das Stadion zu erreichen", sagte der Demonstrant Angel Villalobos am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. "Die Regierung hat zwar einige Antworten geliefert, aber die helfen uns nicht weiter und sind absolut unbefriedigend."

Präsidentin Sheinbaum betonte zwar, dass das Eröffnungsspiel "garantiert" stattfinden werde, stellte jedoch klar, dass sie als linksgerichtete Regierungschefin keine Polizeigewalt zur Unterdrückung der Proteste anordnen wird. Ihre Regierung setzt stattdessen auf Dialog – bislang allerdings ohne Erfolg. "Wir werden unseren Kampf fortsetzen", kündigte auch der Demonstrant Austreberto Flores an.

Weitere Demonstrationen angekündigt

Die Lehrergewerkschaft CNTE streikt seit vergangener Woche für höhere Gehälter und die Rücknahme eines Rentengesetzes, das die Regierung jedoch für wirtschaftlich nicht umsetzbar hält. Neben den Straßenblockaden haben die Lehrer ein Protestcamp in unmittelbarer Nähe der offiziellen WM-Fan-Zone auf dem zentralen Zócalo-Platz errichtet. Dort kam es bereits zu heftigen Zusammenstößen: Wie schon am 1. Juni setzten Sicherheitskräfte Gummigeschosse und Tränengas ein, um die Menge zu zerstreuen.

Sheinbaum spielte die Tragweite der Unruhen dennoch herunter: "Sie wollen den Eindruck erwecken, als herrsche in Mexiko ein massiver sozialer Aufruhr – das stimmt aber nicht."

Eine Entspannung ist vorerst nicht in Sicht. Für Donnerstag haben die Lehrer weitere Kundgebungen angekündigt. Unterstützt werden sie dabei von den Familien der sogenannten "Verschwundenen" – Menschen, die mutmaßlich von kriminellen Banden oder staatlichen Behörden entführt oder getötet wurden.

Die Weltmeisterschaft 2026 gilt als das logistisch aufwendigste Fußballturnier der Geschichte. Neben den Sicherheitsbedenken kämpft Mexiko bis zur letzten Minute mit der Infrastruktur: Bis zum Anpfiff wird unter Hochdruck an der Fertigstellung von renovierten U-Bahn-Stationen und dem wichtigsten Flughafen des Landes gearbeitet.

Fußball