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"Hass" und "falsche Gerüchte": FIFA-Präsident Infantino schwingt die große Keule

US-Präsident Donald Trump (Mitte) und FIFA-Präsident Gianni Infantino überreichen Spaniens Rodri den WM-Pokal
US-Präsident Donald Trump (Mitte) und FIFA-Präsident Gianni Infantino überreichen Spaniens Rodri den WM-PokalREUTERS / Hannah Mckay

Auf Seite 13 seiner 15-teiligen, von Schimpftiraden und Anschuldigungen durchzogenen Botschaft zeigt sich Gianni Infantino auf einmal von seiner sanften Seite. Um seine Kritiker zur Einsicht zu bewegen, empfiehlt er einen Moment der Reflexion, eine Meditation, ein Gebet - oder einfach das Anschauen eines Fußballspiels. Schließlich könne nur dieses "wunderschöne Spiel" eine "außergewöhnliche Show" bieten, "in der alle eins werden". Und wer will sich diesem Zauber schon entziehen?

Nun, für den Geschmack des FIFA-Präsidenten war es offenbar doch der eine oder andere Grantler zu viel, der in den vergangenen Wochen und Monaten an seiner glitzernden XXL-WM in den USA, Mexiko und Kanada herumgemäkelt hatte. Und so sah Infantino eine Woche nach dem WM-Finale zwischen Spanien und Argentinien den Moment für einen radikalen Rundumschlag gekommen. "Hass" und "falsche Gerüchte" warf er Medien und Beobachtern via Instagram vor - der Zorn des FIFA-Bosses entlud sich in exakt 887 Wörtern, die auch auf der Website des Weltverbandes veröffentlicht wurden.

Sie richteten sich gegen die kritischen Töne, die Medien und Beobachter rund um die WM vielfach geäußert hatten: Das auf 48 Teams aufgeblasene Teilnehmerfeld, die als Trinkpausen getarnten Werbe-Unterbrechungen während der Spiele, skurrile Schiedsrichterentscheidungen.

Infantino teilt hart gegen Kritiker aus

Zum Politikum geriet obendrein die verweigerte Einreise für den somalischen Schiedsrichter Omar Artan in die USA. Die iranische Fußball-Nationalmannschaft sah sich wegen der für sie eingeschränkten Bewegungsfreiheit in den Vereinigten Staaten gezwungen, ihr Quartier in Mexiko statt in den USA zu beziehen. Und als die FIFA die Sperre für den US-Stürmer Folarin Balogun nach dessen Roter Karte zurücknahm und sich daraus ein handfester Skandal entwickelte, wurde der Einfluss von US-Präsident Donald Trump auf den Fußball-Weltverband auch dem Letzten überdeutlich vor Augen geführt.

Aber: Alles kein Problem! So sieht es Infantino. Und um seinen ganz eigenen Blick auf die Dinge zu untermauern, keilt er nun unbarmherzig gegen alle jene bösen Zungen, die seinem Empfinden nach dem Hochglanzprodukt Fußball-Weltmeisterschaft hässliche Kratzer zuzufügen versuchen. "Während ihr euch versteckt, erkunden wir die Straßen Kanadas, Mexikos und der Vereinigten Staaten, sprechen mit Fans, gehen auf die Menschen zu und sorgen für die Sicherheit aller", schreibt Infantino: "Während ihr spaltet, vereinen wir." Die WM sei geprägt gewesen von "100 Prozent Sicherheit, nur Freude und Glück".

Mit Blick auf die Iran-Thematik beteuert Infantino, "unermüdlich" daran gearbeitet zu haben, "zwei Länder im Krieg miteinander zu versöhnen". Der Iran sei "ohne Zwischenfälle oder Konflikte" in die Vereinigten Staaten eingereist. Und was ist mit kurzfristig aufgehobenen Spielsperren nach Roten Karten? Vermeintlich "seltsame Disziplinarmaßnahmen" wie Entscheidungen, "Spieler in bestimmten Situationen nicht zu sperren", seien "in einigen der größten Ligen weltweit an der Tagesordnung", behauptet Infantino.

Eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Debatten der vergangenen Wochen lässt der Italo-Schweizer, dessen Wiederwahl 2027 als sicher gilt, vermissen. Lieber erinnert er an "sieben Millionen Menschen aus mehr als 200 Ländern", und "null Zwischenfälle, null Feindseligkeiten, null Gewalt". Und dann wird der FIFA-Boss nochmal ganz zahm. Mit seinen Schlussworten sendet er: "Viel Liebe an alle."