Doch nach der Länderspielphase ist auch vor der Länderspielphase - in rund vier Wochen wird Kimmich wohl erahnen können, wie es um seine Rolle als Kapitän der DFB-Auswahl steht. Die ersten beiden Spiele in der Nations League hätten für ihn als Sechser wohl besser laufen können, in den beiden folgenden gefiel auf dieser Position dann ausgerechnet Aleksandar Pavlovic, sein Nebenmann beim FC Bayern.
Klopp hält sich bedeckt – Kahn irritiert
Bundestrainer Jürgen Klopp wollte oder konnte die anhaltende Debatte, die er mit dem Verzicht auf Kimmich selbst eröffnet hatte, bisher nicht beenden. "Ich gebe zu dem Thema auf", sagte er vor dem Rückspiel in Griechenland (0:0). Er freue sich, ergänzte er, dass Kimmich deutscher Nationalspieler sei, "und ich freue mich auch über alle anderen". Was Klopp bemerkenswerterweise nicht von sich gab, war ein eindeutiges Bekenntnis zu Kimmich.
Irritiert ist unter anderem Oliver Kahn. Er finde Klopps Aussage, dass er die Mannschaft mal ohne den Leitwolf sehen wolle, aus Sicht von Kimmich "nicht besonders positiv", sagte er bei RTL/Sky und vermutete: Der Bundestrainer "möchte sehen, ob eine bestimmte Persönlichkeit möglicherweise eine Mannschaft hemmt. Das gibt es tatsächlich." Allerdings: "So etwas sollte man nicht öffentlich sagen, weil man den Spieler damit auf eine gewisse Art und Weise diskreditiert."
Teamkollege als Herausforderer?
Tatsache ist: Beim FC Bayern bildet Kimmich gemeinsam mit Pavlovic die Doppel-Sechs im 4-2-3-1-System von Trainer Vincent Kompany - und zeigt beständig herausragende Leistungen. In der Nationalmannschaft dagegen wäre Kimmich alleiniger Sechser im vom Klopp bevorzugten 4-3-3-System. Ein Problem? Nein, glaubt Lothar Matthäus. "Kimmich spielt nicht nur quer oder nach hinten, sondern sorgt mit seinen Chipbällen auch vorne für Gefahr. Im Verein und in der Nationalmannschaft."
Rekordnationalspieler Matthäus mag den aktuellen DFB-Kapitän aber auch nicht in Sicherheit wiegen. "Das Leistungsprinzip zählt für alle", schrieb er in seiner Kolumne für Sky, "und wenn Kimmich nicht so performt, wie Klopp es sich für seinen Spielstil vorstellt, hat er in Aleksandar Pavlovic, der gegen Serbien und in Griechenland zu den Besten gehörte, aus den Reihen des FC Bayern einen großen Herausforderer."
Entfacht die Kimmich-Debatte neu?
Michael Ballack wiederum sieht im Vorgehen des Bundestrainers erst mal kein Problem für Kimmich. "Klopp", sagte der frühere DFB-Kapitän, "hat ihn ein bisschen rausdelegiert, um zu sehen, wie die Gruppe ohne ihn funktioniert. Er fährt zweigleisig, das finde ich völlig in Ordnung." Für Ballack kommt die Diskussion rund um Kimmich daher auch "nicht zum richtigen Zeitpunkt".
Aber vermutlich kommt sie wieder, wenn Klopp den Kader für die beiden letzten Spiele der Nations League Mitte November nominiert.
