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Krisengipfel in Salzburg: Europa schmiedet den Anti-Infantino-Plan

Der große Machtkampf zwischen den Fußballverbänden und der FIFA geht weiter
Der große Machtkampf zwischen den Fußballverbänden und der FIFA geht weiterMark Pain / Alamy / Profimedia

Beim Supercup sprechen Europas Fußballbosse erstmals persönlich über das weitere Vorgehen und mögliche Reformen im FIFA-Machtkampf.

Der Kurztrip nach Salzburg sollte für Aleksander Ceferin keine gewöhnliche Dienstreise bleiben. Eigentlich wäre es um den UEFA-Supercup gegangen, um einen gemütlichen Abend, um entspannte Gespräche auf der Tribüne. Doch nach dem Ausbruch des FIFA-Machtkampfes überlagerte eine entscheidende Frage die erste Zusammenkunft von Europas Fußballbossen: Wie lässt sich die Front gegen Gianni Infantino zusammenhalten?

Mit möglichem Herausforderer zum FIFA-Umbruch?

UEFA-Boss Ceferin, Anführer der Rebellion gegen den FIFA-Chef, versammelte inmitten des Widerstands erstmals die Entscheider im europäischen Fußball persönlich zum Krisengipfel um sich. Mehrere Treffen waren in den Tagen rund um das Duell zwischen Paris Saint-Germain und Aston Villa geplant. Und die öffentlichen Forderungen nach tiefgreifenden Reformen beim Weltverband dürften in Salzburg kaum überhört worden sein.

Die UEFA, so berichtet es der Guardian, soll mit ihren Verbündeten aus Asien sowie Nord- und Mittelamerika bereits an einem "Grundsatzpapier" für eine neue FIFA arbeiten. Im Fokus stehen demnach die Rolle, die Struktur und das künftige Governance-Modell des Weltverbandes. Zentraler Aspekt sei auch die Verteilung der Gelder, die Infantino stets als Machtinstrument dienten.

Der Rahmen, schrieb die britische Zeitung weiter, könnte von einem möglichen Herausforderer bei der Wahl im März 2027 übernommen werden, sollte sich der Amtsinhaber nicht auf den Prozess einlassen. Dass UEFA, CONCACAF und AFC, die nach dem gescheiterten WM-Investorenplan des FIFA-Präsidenten mit einem Offenen Brief am Montag den Druck erhöht hatten, vor allem einen Sturz Infantinos anstreben, ist ein offenes Geheimnis.

Eine Absetzung des Alleinherrschers würde vielen Beobachtern aber nicht ausreichen. Längst werden Rufe laut, die eine Einschränkung der Macht des Präsidenten fordern, wer auch immer dies sein wird.

Leere Drohungen oder große Veränderungen?

Der frühere FIFA-Ethiker Hans-Joachim Eckert, der kurz nach Infantinos Amtsantritt abgesetzt worden war, plädiert etwa für einen unabhängigen Generalsekretär, der die Geschäfte der FIFA führt, sowie einen Präsidenten mit repräsentativer Funktion. Auch strengere Amtszeitbegrenzungen oder eine alle vier Jahre rotierende Präsidentschaft zwischen den sechs Kontinentalverbänden sind im Diskurs.

"Wir haben bei der FIFA genügend Krisen erlebt, um zu wissen, dass ein bloßer Wechsel an der Spitze nicht ausreicht", betonte Ronan Evain von Football Supporters Europe. Andrea Florence von der Sports and Rights Alliance fordert dazu, dass die aktuelle Krise den "längst überfälligen Reformen neuen Schwung verleihen" müsse. Ohne Anpassungen, befürchtet die Organisation, drohe erneut "ein System, das Korruption toleriert und Missstände vertuscht".

Wie ein mögliches "Grundsatzpapier" des Oppositionstrios konkret aussehen könnte, blieb zunächst offen. Für Ceferin ist es aber nicht der einzige Brennpunkt in Salzburg. Der UEFA-Chef fordert weiterhin eine unabhängige Überprüfung von Infantinos Investorenplan, dazu muss er die Reihen geschlossen halten, damit die Boykottansage der Europäer nicht schon bei der U20-WM der Frauen in weniger als einem Monat als leere Drohung verpufft.

An einen gemütlichen Fußballabend war bei all dem nicht zu denken.