Druck zu groß: Teenager Moody verspielt Sieg gegen Kyren Wilson

Kyren Wilson zeigt nach seinem Sieg Emotionen.
Kyren Wilson zeigt nach seinem Sieg Emotionen.Martin Rickett, PA Images / Alamy / Profimedia

Stan Moody kann seinen 6:3-Vorsprung gegen Kyren Wilson nicht behaupten und muss sich dem Weltmeister von 2024 in dramatischer Art und Weise mit 7:10 geschlagen geben. Am anderen Tisch erspielt sich Shaun Murphy eine 5:4-Führung gegen Fan Zhengyi - zeigt dabei aber Höhen und Tiefen.

Es war die bisher größte Überraschung der Snooker-WM: Stan Moody spielte in der ersten Session gegen Kyren Wilson phasenweise brillantes Snooker und ging mit einer 6:3-Führung in den Abend. Dort hätte er zwischenzeitlich sogar auf 8:3 stellen können, verlor dann aber auf dramatische Art und Weise den Frame und anschließend komplett den Faden, sodass Kyren Wilson die Partie an sich riss und letztlich mit 10:7 gewann.

Zum Match-Center: Wilson vs. Moody

Danach sah es zu Beginn des Abends allerdings keineswegs aus. Wilson machte aus seiner ersten Chance zwar 43 Punkte, verschoss dann aber, nachdem er die Stellung verlor, eine lange Rote, was Moody mit 28 Punkten für sich nutzte. In der Folge kam Wilson zu einer weiteren Möglichkeit, verstellte sich aber nach nur einem Zähler erneut und verfehlte eine schwierige Grüne. Mit seiner zweiten Chance drehte Moody den Rückstand endgültig und holte den Frame dank eines 48er Breaks.

Stan Moody lässt 8:3 wegen Respotted Black liegen

Wilson bekam auch in der Folge die erste Chance, verschoss aber nach 30 Punkten Schwarz vom Spot - ein eigentlich absoluter Routine-Stoß. Moody macht daraus 34 Punkte, ehe er zwar eine machbare Rote verschießt, wenig später aber wieder ins Break kommt. Nach 31 weiteren Punkten lässt er allerdings die letzte Rote im Tascheneinlauf liegen, nachdem er den Ball entlang der kurzen Bande in die Tasche rollen lassen wollte.

Mit 35 Punkten Rückstand war für Wilson nur noch eine Respotted Black möglich - die er aber mit einer starken Clearence inklusive einer harten Gelben erzwang. Nach wenigen Stößen ließ Moody Wilson eine lange Möglichkeit offen. Der "Warrior" bewies Nervenstärke und verwandelte diese sicher - statt des sicher geglaubten 8:3 stand es plötzlich nur noch 7:4. Wilson ließ darauf eine 63 folgen, die ihm letztlich das 5:7 einbrachte, auch wenn der Frame für Moody nach einem erfolgreichen Snooker sogar wieder in Reichweite war.

Kyren Wilson erzwingt drei Snooker zum Frame-Gewinn

Der absolute Knackpunkt folgte dann aber nach der Pause. Moody schüttelte die drei verlorenen Frames in Folge zunächst gut ab und legte mit 68 Punkten ein starkes Break hin. Wilson gab sich allerdings trotz drei benötigter Snooker nicht geschlagen und erzwang mit vier Versuchen tatsächlich die benötigten drei Fouls - inklusive eines Free Balls. So drehte er den Frame nach 68 Punkten Rückstand mit einer 38 Clearence zum 7:7.

Moody wirkte anschließend mitgenommen und zeigte erstmals im Match Nerven: Stöße, die ihm zuvor noch im Schlaf gelangen, wollten nicht mehr funktionieren. So misslangen ihm plötzlich einfache Stellungen, die zuvor so sicheren langen Bälle wirkten erzwungen und endeten meist in wilden Versuchen. So reichte Wilson ein 46er Break zum 8:7 - seine erste Führung im Match.

Stan Moody verliert die Nerven

Wilson spielte dabei alles andere als fehlerfrei - Moody hatte bei jedem seiner verlorenen Frames Chancen, doch dem 19-Jährigen stieg der Druck sichtlich zu Kopf. So ließ er eine weitere Möglichkeit im 16. Frame ungenutzt, als Wilson nach 35 Punkten das Zepter abgab. Moody lochte zwar einen leichten Einsteiger sicher, vergab dann aber Blau vom Spot. Wilson nutzte das zu 34 weiteren Punkten, mit denen er den Frame absicherte. Moody versuchte zwar nochmal sein Glück, nachdem er aber nach der ersten gelochten Roten Schwarz vom Spot verschoss, gab er sofort auf.

Der finale Frame hatte dann wieder einiges zu bieten. Spielerisch leisteten sich beide Akteure einige Fehler - phasenweise spielten beide wildes Snooker, bei dem die Kugeln mehrfach unkontrolliert über den Tisch flogen. Wilson erspielte sich vor der letzten Roten einen 22-Punkte-Vorsprung, konnte auf diese allerdings nicht stellen.

Wilson gewinnt nach dramatischem Finish - und zeigt Emotionen

Nach mehreren Safetys fasste sich Moody ein Herz und versenkte die Rote per Double auf die Mitteltasche. Der Youngster lochte daraufhin reihenweise schwierige Bälle und stand 27 Punkte später vor einer harten Entscheidung bei Schwarz, die eng an der kurzen Bande lag. Trotz keiner perfekten Stellung blieb sich Moody treu und versuchte den Hero Shot - der Ball hatte aber nie eine Chance und blieb nah vor der Ecktasche liegen. So war es für Wilson auch als Long Pot kein Problem, das Match auf die finale Schwarze zu entscheiden.

Anschließend reckte Wilson die Faust in Richtung seiner Box - die abgefallene Spannung war ihm deutlich anzumerken. Nach dem Match erklärte er bei TNT Sports sogar, dass er zwischen den Sessions sein Queue anpassen ließ.

Wilson: "Ich habe mein Queue gehasst"

"Ich hatte die ganze Zeit Probleme. Ich habe mein Queue gehasst, ich habe sogar meine Pommeranze für die Abendsession gewechselt. Ich habe noch eine Stunde vor dem Match an meinem Queue gearbeitet. Ich musste einfach irgendetwas verändern, ich konnte mit meiner Leistung von der ersten Session ohne etwas zu tun nicht leben."

Moody versuchte nach der Partie nicht, seine Emotionen zu verbergen. Ihm war bewusst, welche Chance er vergeben hatte. "Ich hatte das Gefühl, dass ich heute der bessere Spieler war. Aber die fehlende Erfahrung und die bitter verlorenen Frames haben meinem Spiel geschadet."

Wilson trifft im Achtelfinale auf Mark Allen, der ebenfalls in seinem Match gegen Zhang Anda Probleme hatte, letztlich aber auch mit einer Serie von Frame-Gewinnen das Match mit 10:6 für sich entschied.

Shaun Murphy wackelt - beendet Session aber mit Glanz

Auf dem anderen Tisch hatte Shaun Murphy trotz einer 2:0-Führung inklusive eines 78er Breaks über weite Strecken des Abends mit seinem Spiel zu kämpfen. Nachdem er eigentlich auf dem Weg zum 3:0 war, verschoss er eine machbare Pinke und ebnete so den Weg für Fans ersten Frame-Gewinn des Abends.

Zum Match-Center: Murphy vs. Fan

Fan hätte vor der Pause sogar eigentlich ausgleichen müssen, verschoss im Endspiel auf die Farben aber Braun mit dem Hilfsqueue und schenkte Murphy so das 3:1. Nach dem Midsession Intervall nutzte Fan allerdings seine Möglichkeit und kam dank einer 66 zurück. In Frame sechs entwickelte sich ein taktischer Kampf, den der junge Chinese auf der letzten Schwarzen für sich entscheiden konnte und so zum 3:3 ausglich. 

Auch der siebte Durchgang war eng, dieses Mal aber mit dem besseren Ende für Murphy, der aber für jeden Punkt hart arbeiten musste. Fan hingegen legte in der Folge eine 64 auf, die ihm schnell wieder den erneuten Ausgleich bescherte. Im finalen Frame des Abends zeigte Murphy aber seine ganze Klasse. Nachdem er in sechs Frames in Folge nicht über 30 Punkte in Serie kam, zauberte er mit 140 Punkten eine Total Clearence auf den Tisch und entschied damit die Session knapp für sich. Die Entscheidung in dieser Partie fällt morgen Abend.