Alexander Zverev erschien um 1.30 Uhr in Badelatschen im Bauch des Court Philippe-Chatrier und wusste genau, was er sagen wollte. Und auch, was er nicht sagen wollte. Er, der heißeste Titelanwärter bei den French Open nach dem Aus von Jannik Sinner und Novak Djokovic? Davon wollte Zverev nach seiner erfolgreichen Nachtschicht gegen den Franzosen Quentin Halys erst einmal nichts wissen.
Zum Match-Center: Quentin Halys vs. Alexander Zverev
"Rest interessiert mich nicht"
"Ich muss mich auf die Sachen konzentrieren, die ich beeinflussen kann und das sind meine Matches", sagte der Weltranglistendritte aus Hamburg nach seinem 6:4, 6:3, 5:7, 6:2-Sieg gegen den Lokalmatadoren: "Ich spiele jetzt gegen Frenkie de Jong, der Rest interessiert mich nicht."
Frenkie de Jong? Der kleine, lustige Versprecher war Zverev nach den rund drei Stunden harter Arbeit bis tief in die Nacht rausgerutscht und wohl der späten Uhrzeit geschuldet. Selbstverständlich weiß Zverev, dass er es am Sonntagnachmittag (nicht vor 15.30 Uhr/Eurosport) nicht mit dem Fußballprofi des FC Barcelona aufnimmt, sondern mit Jesper de Jong, der ihm schon im vergangenen Jahr in Paris einen Satz abknüpfte.
Der Niederländer, aktuell Weltranglisten-106., legt am Bois de Boulogne einen erstaunlichen Lauf hin. Sein Qualifikations-Finale hatte der 25-Jährige verloren, rutschte dann aber noch als Lucky Loser ins Hauptfeld. De Jong bezwang in seinem ersten Match den Schweizer Ex-Turniersieger Stan Wawrinka und zuletzt in der dritten Runde in fünf Sätzen den Russen Karen Khachanov, der Zverev 2021 im Olympia-Finale von Tokio unterlegen war - Zverev wird voll da sein müssen.
Zum Match-Center: Jesper De Jong vs. Alexander Zverev
Letzter Verbliebener der Top-5
Und das weiß der dreimalige Grand-Slam-Finalist, der als einziger Spieler der Top 5 der Weltrangliste noch im Turnier vertreten ist und sich zufrieden gibt mit seinem Niveau. "Auch wenn ich heute einen kleinen Durchhänger hatte, spüre ich, dass mein Level da ist", sagte Zverev: "Ich werde alles dafür tun, auch in der zweiten Woche gutes Tennis zu spielen und alle meine Matches zu gewinnen."
Zverev absolviert sein Programm bislang mit großer Souveränität - auch die nun vielen Nachfragen, ob nach dem Straucheln seiner Titelkonkurrenten in Paris für ihn der große Moment kommen werde.
Die Experten sind sich zumindest sicher, dass er erfolgreich sein kann. Boris Becker hatte den 29-Jährigen nach dem Sinner-Aus bei Eurosport ohne Umschweife als "Topfavorit" bezeichnet, auch Mats Wilander pflichtete ihm bei. "Natürlich setzt er sich selbst enorm unter Druck, weil er endlich seinen ersten Grand-Slam-Titel gewinnen will", sagte der dreimalige Paris-Sieger: "Aber inzwischen kommt der Druck auch von außen - von uns allen. Jeder glaubt, dass er diesen Titel wahrscheinlich nie gewinnen wird, wenn es ihm diesmal nicht gelingt", so der Schwede.
Wilander fügte direkt an, dass er von einem Grand-Slam-Sieg Zverevs überzeugt sei. Die Chance in Paris ist greifbar.
