Nach einer einstündigen Pressekonferenz, in der Jürgen Klopp für Klartext sorgte – gönnt sich der 59-Jährige erst einmal eine wohlverdiente Auszeit.
Auf seine Rolle als WM-Experte für MagentaTV folgten unmittelbar die Verhandlungen mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB). Jetzt heißt es erst einmal: Zur Ruhe kommen und Kraft tanken. Denn auf den Nachfolger von Julian Nagelsmann wartet sogleich das nächste Mammutprogramm.
Zu Besuch beim Supercup
Hat sich der Bundestrainer erst einmal eingelebt, folgt der erste große Termin am 22. August. Beim in Dortmund stattfindenden Franz Beckenbauer Supercup wird er neben seinem langjährigen Weggefährten Hans-Joachim Watzke auf der Tribüne Platz nehmen.

Trotz seiner Vergangenheit beim BVB und als "Head of Global Soccer" bei Red Bull müsse sich der FC Bayern "keine Gedanken machen, dass wir nur noch Dortmund-Spieler einladen. Oder nur noch Leipziger", sagte Klopp mit einem Augenzwinkern.
Match-Center: Borussia Dortmund vs. Bayern München
Dichtes Programm
Bereits am 24. September startet die UEFA Nations League. Dann wird Klopp in Amsterdam sein Debüt als Trainer der deutschen Nationalmannschaft geben.
Bis dahin möchte sich der Coach einen Überblick zu den Abläufen verschaffen. "Interessant ist, dass ich meinen Alltag noch gar nicht kenne. Ich bin froh, dass das erste Spiel noch nicht morgen ist. Da wäre ich überfordert", sagte Klopp bei seiner Präsentation auf dem Gelände seines neuen Arbeitgebers in Frankfurt/Main.
Bis zum 4. Oktober folgen drei weitere Spiele. Für die kommenden Länderspiele habe er bereits "ein paar Dinge im Kopf". Diese seien aber "noch nicht druckreif". Man werde allerdings sicher "nicht elf Mann durchpeitschen, die alle vier Spiele spielen".

Neue Spieler und neue Taktik
Was sich Klopp für die Zukunft wünscht: Einen echten "Neustart." Bei seiner ersten Kadernominierung sind Überraschungen garantiert. Es würden "Spieler eine Chance bekommen, die damit noch gar nicht rechnen. Wer Gas gibt, wird mit mir viel Spaß haben." 57 Feldspieler befinden sich auf Klopps Liste.

Auch einige taktische Ideen hat der Champions-League-Sieger von 2019 bereits. Deutschland hätte bei der vergangenen WM "ein bisschen intensiver" spielen müssen. Gegenpressing sei künftig "ein wichtiges Thema".
Klopp will außerdem von der DFB-Auswahl eine "gute Organisation" sehen und eine "klare Fußballidee erkennbar" machen. Zudem will er "mutig" und mit Viererkette spielen. Manch etablierte Spieler können sich womöglich auf neue Rollen freuen: "Die Spielmacher der heutigen Zeit sind am Flügel."

"Jeder Stein" wird umgedreht
Sein Wunsch für die Zukunft: In vier, fünf, sechs Jahren sollen andere Verbände sagen, "sie wollen es so machen, wie sie es beim DFB gemacht haben".
Ein äußerst ambitioniertes Ziel nach dem dritten WM-Debakel in Folge. Beim Neuaufbau will Klopp "ohne Aktionismus Dinge anpassen und verändern". Dafür will er den Blick auch auf das richten, "was nicht direkt den Fußball beeinflusst". Man müsse "jeden Stein umdrehen".
Dafür hat sich Klopp auch seinen langjährigen Berater Marc Kosicke als externen Mitarbeiter für "Strategie, Entwicklung und Innovation" mit ins Boot geholt.

Ab Januar stößt Per Mertesacker als Geschäftsführer Sport und Nachfolger von Andreas Rettig dazu. Zu dem für Nachwuchs, Training und Entwicklung zuständigen Verbandsdirektor Hannes Wolf hat Klopp ohnehin einen engen Draht – und dann steht ihm auch noch Sportdirektor Rudi Völler zur Seite.

