Wird die riesige Kluft noch größer? Das Gipfeltreffen zwischen dem enteilten Branchenprimus FC Bayern und dem umgekrempelten VfL Wolfsburg im Supercup dient als erster Gradmesser der neuen Saison. Immer mehr Stars wandern ins Ausland ab, bei der Bundesliga-Konkurrenz schwindet die Hoffnung, dass die Dominanz bröckeln könnte - auch wenn Playoff-Pläne für heiße Diskussionen sorgen.
Der Traum vom Champions-League-Titel
"Unsere letzte Saison ist unsere Inspiration und unser Antrieb", sagte Bayern-Trainer José Barcala dem SID, und an die will der Spanier beim Auftakt am Samstag (19.30 Uhr/DF1 und MagentaTV) in Ingolstadt möglichst nahtlos anknüpfen. Ungeschlagen marschierten die Bayern zum vierten Meistertitel in Serie und feierten wie im Vorjahr das Double.
Barcalas Mission für sein zweites Jahr ist daher auch eine Warnung an die Verfolger: "Wir wollen Bayern sein, die dominante Mannschaft. Aber dafür müssen wir individuell und als Team den nächsten Schritt machen." Das gilt vor allem für die Champions League.
Das Finale um Europas Krone ist das nächste große Ziel, dieses Jahr war im Halbfinale gegen den späteren Sieger FC Barcelona Schluss. "Die Identität ist klar. Die aktuelle Version des FC Bayern soll sein, diese in den größten Arenen, in den großen Spielen, an den großen Abenden zu zeigen", sagte Barcala.
Letzte Spielzeit vor größerem Umbruch?
Die zweistellige Millionen-Investition in den Sportpark Unterhaching als neue Heimat untermauert die gestiegenen Ansprüche. Das Projekt soll eine "Revolution im deutschen Frauenfußball" sein, befand Vereinspräsident Herbert Hainer.
Im aufgeheizten Transfermarkt wurde der Kader nach dem schmerzhaften Abgang von Mittelfeldchefin Georgia Stanway (FC Arsenal) mit Perspektivspielerinnen verstärkt. Auf FCB-Direktorin Bianca Rech wartet Schwerstarbeit: Zahlreiche Verträge laufen 2027 aus, auch bei heiß begehrtem Personal wie Klara Bühl, Giulia Gwinn und Franziska Kett.
Auch wenn prominente Verletzte wie Gwinn, Lena Oberdorf oder Kett noch fehlen, die Gejagten fühlen sich nach einer ausgiebigen Vorbereitung gerüstet für den Saisonstart. "Ich liebe den Supercup", betonte Barcala, als "Belohnung für die zwei konstantesten Teams der vergangenen Saison".
Hinzu kommt die gewachsene Rivalität: Seit 2013 ging die Schale nur noch an den VfL oder die Bayern. "Gegen Wolfsburg zu spielen, ist immer etwas Besonderes. Um eine Trophäe zu spielen, ist noch spezieller", betonte Barcala.
Zukunft der Frauen-Bundesliga wird heißt diskutiert
Die Wölfinnen haben wenig Lust, im ersten Pflichtspiel nach der Alexandra-Popp-Ära zum dritten Mal nacheinander dem Dauerrivalen zum Supercup zu gratulieren. "Es ist ein Finale und wir wollen jede Chance nutzen, einen Titel zu holen. Das wäre auch ein Signal", meinte Nationalspielerin Camilla Küver. Doch das Team von Trainer Stephan Lerch muss sich nach namhaften Abgängen neu erfinden.
So unterschiedlich die Voraussetzungen mittlerweile auch sein mögen, beim aktuellen Reizthema sind sich die beiden Topklubs einig: Playoffs um die Meisterschaft sollen nicht die Lösung sein, um die Bundesliga spannender und für den TV-Markt attraktiver zu machen.
Nach der Abspaltung der FBL vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) sind solche Gedankenspiele Ideen, die mit potenziellen Medienpartnern diskutiert wurden. "Die Liga-Phase verliert sportlich an Wert, und es ist möglich, dass nicht die beste Mannschaft der Saison Meister wird", protestierte VfL-Boss Dieter Hecking in der Sport Bild: "Das kann nicht im Sinne des Sports sein."
Zum Match-Center: FC Bayern vs. VfL Wolfsburg
