Es sollte Patrick Fischers großer Abschied werden – mit der Goldmedaille, welche die Schweizer Nati mit ihrem Erfolgstrainer dreimal ganz knapp verpasst hatte. Immerhin steht der Schweiz das wohl beste Team der WM-Geschichte zur Verfügung.
Mittlerweile ist Fischers Konterfei von allen Plakaten und aus allen Werbeclips verschwunden. Kurz vor dem Auftakt der Eishockey-WM 2026 am Freitag überschattet der Skandal um den abgesetzten Trainer, der mit einem gefälschten Corona-Impfzertifikat zu Olympia 2022 in Peking gereist war, noch immer die Heim-WM.
Teile der Mannschaft wünschten sich Comeback
Kapitän und NHL-Star Roman Josi hatte nach Fischers Rauswurf in einem Brief an den Verband dessen Wiedereinsetzung gefordert. Nicht alle Spieler waren damit einverstanden. Man habe "viel gesprochen", berichtete Josi und behauptete: "Das schweißt uns als Team auch zusammen."

Rein sportlich sind die Voraussetzungen für die erste Heim-WM seit 2009 hervorragend: Bis auf den verletzten Kevin Fiala sind alle Stars aus der NHL dabei.
Absagen wie etwa bei der deutschen Mannschaft oder zahlreichen anderen WM-Teams gab es trotz Olympia im Februar nicht. Bei der Generalprobe fertigte die Schweiz – ohne ihre geschonten NHL-Profis – Tschechien mit 6:1 ab. "Der WM-Titel ist das Ziel, das ist kein Geheimnis", sagte Josi.
Dass eine Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft sich dieses Ziel setzen kann, hat Fischer ermöglicht. Der äußerst selbstbewusste Coach, einer der schillerndsten weltweit, hat der Nati jegliche Zweifel an den eigenen Fähigkeiten und sogar die Angst vor dem Nachbarn Deutschland genommen, gegen den es immer wieder bittere Niederlagen in K.o.-Spielen gegeben hatte. Dreimal führte er sie ins WM-Finale, zweimal brachte erst das Penaltyschießen oder die Verlängerung die Entscheidung.

Skandal um gefäschten Impfpass
Der krönende Abschluss vor eigenem Publikum bleibt Fischer versagt, weil ihn im April die Vergangenheit einholte. Ausgerechnet in einer Drehpause zur eigenen Doku plauderte der 50-Jährige gegenüber einem Reporter des öffentlich-rechtlichen Rundfunksenders SRF aus, dass er sich 2022 nicht gegen Corona impfen ließ, sondern ein gefälschtes Zertifikat aus dem Internet besorgte. Schon 2023 stellte die Staatsanwaltschaft Luzern einen Strafbefehl wegen Urkundenfälschung über 38.910 Franken aus.
Der SRF recherchierte, und Fischer kam einer Veröffentlichung zuvor, indem er sich selbst mit einem Handyvideo zu Wort meldete, um Verzeihung bat und von einer "persönlichen Notlage" sprach. Zwei Tage später feuerte ihn der Verband. Die ganze Schweiz diskutierte aufgeregt über das Ego eines außergewöhnlichen Trainers, Moral und Ethik im Sport und die Rolle der Medien.
Inzwischen meldete sich Fischer noch einmal zu Wort, zeigte im Interview mit dem Wirtschaftsportal "Der Leader" aber wenig Reue, sondern meinte, er sei über seinen "eigenen Optimismus" gestolpert.
Match-Center: Schweiz vs. USA
