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Olympia-Entscheidung naht: Die wichtigsten Fragen zur deutschen Bewerbung

Aktualisiert
Am Samstag wird entscheiden, mit welcher Olympia-Bewerbung der DOSB ins Rennen gehen möchte
Am Samstag wird entscheiden, mit welcher Olympia-Bewerbung der DOSB ins Rennen gehen möchteČTK / imago stock&people / Anke Waelischmiller

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) kürt am Samstag in Baden-Baden auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung seinen Kandidaten für den nächsten Anlauf einer deutschen Olympiabewerbung. Die verbliebenen Kandidaten München und Köln/Rhein-Ruhr fiebern der Entscheidung der Delegierten entgegen. Der SID beantwortet die wichtigsten Fragen.

Worum geht es?

Der DOSB nimmt nach sieben gescheiterten Bewerbungen den nächsten Anlauf, Olympische Spiele zum ersten Mal seit München 1972 nach Deutschland zu holen. Der Deutsche Olympische Sportbund verfolgt dafür eine mehrjährige Strategie: Sommerspiele sollen es werden, entweder 2036, 2040 oder 2044. Mit dem Internationalen Olympischen Komitee, das die Spiele vergibt, wähnt sich der DOSB in einem zielführenden Austausch.

Wer stimmt über den deutschen Bewerber ab?

Im Kurhaus von Baden-Baden entscheiden 42 olympische Sportverbände - auch die aus dem Wintersport - sowie das Präsidium und persönliche Mitglieder des DOSB, wer ins Rennen geschickt wird. Die Verantwortung liegt dabei bei den Fachverbänden, die jeweils drei Stimmen besitzen und diese im Block abgeben müssen (insgesamt: 126). Jede Person aus dem DOSB-Präsidium (10) und alle persönlichen Mitglieder (8) haben jeweils eine Stimme. Unmut regierte im Vorfeld bei 61 der 103 DOSB-Mitgliederorganisationen, die keine Stimme abgeben dürfen - einige Vertreter wollen aus Protest der MV fernbleiben.

Wie läuft der Wahltag ab?

Um 9.00 Uhr beginnt die Mitgliederversammlung, Wahlleiter ist der DOSB-Vorstandsvorsitzende Otto Fricke. Gewinner ist, wer die absolute Mehrheit der Stimmen hinter sich vereint. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird zwischen 13.45 und 14.45 Uhr den nationalen Bewerber bekannt geben, mit dem der DOSB seine Bewerbung beim IOC vorantreibt. Die Ministerpräsidenten Markus Söder (Bayern) und Hendrik Wüst (NRW) haben ihr Kommen angekündigt, auch hochrangige Sportprominenz wird erwartet.

Warum ist der DOSB zuversichtlich?

Der Verband glaubt, aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben. Die Olympiaeuphorie nach den Spielen 2024 in Paris nutzten München und Köln/Rhein-Ruhr zu Volksbefragungen jeweils mit einer Zweidrittelmehrheit für eine Bewerbung. Zudem haben der DOSB und die ebenso olympiabegeisterte Bundespolitik eine Evaluierungskommission eingesetzt, die alle Konzepte bewertet hat, um den geeignetsten Kandidaten zu ermitteln. In den bepunkteten Kategorien "sportfachliche und operative Eignung" sowie "internationale Wettbewerbsfähigkeit und nationale Akzeptanz" entfielen 87,03 von 100 möglichen Bewertungspunkten auf München und 85,02 auf Köln/Rhein-Ruhr. Berlin (74,64) lag klar zurück - und gab am Donnerstag, zermürbt auch vom Gegenwind der Lokalpolitik, auf. Hamburg hatte seine Bewerbung nach einem gescheiterten Referendum am 31. Mai bereits zurückgezogen.

Wer ist Favorit?

Die Stimmberechtigten sind frei in ihrer Wahl, es dürfte aber eng zugehen. Beide verbliebenen Konzepte können auf starken Rückhalt der Bevölkerung verweisen, auch die Einschätzung der DOSB-Kommission deutet auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hin. Auffällig beim Blick in die Details der Evaluierung ist aber, dass die bei der Wahl besonders wirkmächtigen olympischen Verbände in deutlich mehr Kategorien München vorne sahen - die starke Gesamtnote von Köln/Rhein-Ruhr ist auf eine hohe Bepunktung durch den DOSB zurückzuführen. Auf der anderen Seite verlockt das NRW-Konzept mit Olympia-Rekorden, etwa nie dagewesenen Ticketverkäufen.

Wie kann die Wahl verfolgt werden?

Die ARD sendet die Entscheidung live, die Übertragung läuft von 13.45 bis 14.45 Uhr. Im WDR-Fernsehen gibt es im Anschluss eine Sondersendung. Auch der Bayerische Rundfunk wird sich ab 18.30 Uhr mit dem Thema befassen.

Wie geht es weiter?

Ist der Bewerber gekürt, intensiviert der DOSB die Gespräche mit dem IOC. 2029 soll die Wahl für 2036 erfolgen. Zuvor ist ein strategischer Dialog mit den Top-Bewerbern vorgesehen, Ende 2028 soll der finale Kreis der Kandidaten stehen. Soweit der Plan. Die Vergangenheit hat gezeigt, wie schnell und intransparent das IOC zu anderen Entscheidungen kommt. 2017 vergab der damalige Präsident Thomas Bach überraschend die Spiele 2024 und 2028 nach Paris und Los Angeles. 2021 überrumpelte das IOC die Bewerber aus NRW mit der plötzlichen Vergabe der Spiele 2032 nach Brisbane.

Wer sind die deutschen Konkurrenten?

Interesse an der Ausrichtung haben zahlreiche Länder bekundet: Ahmedabad/Indien, Doha/Katar, Istanbul/Türkei, Santiago/Chile oder Südafrika mit Kapstadt bzw. Johannesburg. Dazu Saudi-Arabien, Ungarn, Spanien, Kanada, Indonesien oder Italien. Wie ernsthaft die Bewerbungen vorangetrieben werden, ist kaum zu bewerten. Der DOSB glaubt an ein günstiges Zeitfenster schon für 2036.

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