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Plädoyer für die "Fußball-Arbeiter": Ex-Augsburg-Coach Wagner im Interview

Sandro Wagner ist seit seinem Aus in Augsburg ohne Verein.
Sandro Wagner ist seit seinem Aus in Augsburg ohne Verein.ČTK / imago sportfotodienst / Pressefoto Rudel/Robin Rudel

Sandro Wagner gehört seit jeher zu den kontroversesten Figuren des deutschen Fußballs, pflegt diese Rolle heute aber mit Selbstreflexion. Im Gespräch mit dem Magazin "GQ" betont der 38-jährige Ex-Profi und heutige Trainer, dass er klare Meinungen nach wie vor schätzt: "Ich liebe es, wenn Menschen in unserer Gesellschaft offen sagen, was sie denken und ihre Meinung vertreten."

Allerdings setze ihm seine gestiegene Verantwortung im Traineramt Grenzen für radikale Sprüche, während Kritik an seiner Person mit zunehmendem Alter leichter verdaulich geworden sei. Einzig der Einfluss auf seine Familie treffe ihn hart, denn wenn die eigenen Kinder in der Öffentlichkeit mitbetroffen sind, "kann das schon belastend sein."

Ein zentrales Thema der modernen Berichterstattung sieht Wagner im massiven Wandel durch soziale Medien und den enormen Druck, dem junge Spieler heute ausgesetzt sind. Der Nachwuchs gerate zunehmend in ein System, das von egoistischem Erfolgsstreben geprägt ist. "Jeder Spieler ist heute ja sein eigenes kleines Unternehmen. Man will und muss direkt erfolgreich sein, am besten man versorgt schon mit 18 die ganze Familie", beschreibt Wagner die drückende Last der Nachwuchstalente. 

Wagner über "Freude am Spiel"

Als Ausgleich verliere der Profifußball dabei häufig den Blick für das Kollektiv. Die klassische Arbeit im Spiel werde kaum noch gewürdigt: "Man will vor allem die Superstars sehen, der normale ‚Arbeiter‘ im Mannschaftsgefüge fällt dabei meist unter den Tisch."

Um in diesem hochintensiven Umfeld nicht zu zerbrechen, rät Wagner jungen Nachwuchskräften vor allem zur Fokussierung auf das Wesentliche. Die eigene Leidenschaft dürfe niemals dem reinen Business geopfert werden. "Die Freude am Spiel nicht zu verlieren", sei daher die bedeutsamste Eigenschaft für eine nachhaltige Karriere. 

Ebenso wichtig sei es, sich von externen Stimmen abzugrenzen und im Kern bei sich zu bleiben, da Entscheidungen für das Äußere langfristig krank machen könnten. Ein stabiles privates Umfeld bleibe dabei der wichtigste Anker: "Man weiß schließlich nie, ob dich andere wirklich mögen oder nur das, was du gerade darstellst. Für mich war meine Familie immer der wichtigste Ausgleich."

Gleichzeitig blickt Wagner nüchtern auf das oft überschätzte Äußere im Sportbusiness – von Modetrends bis hin zu teuren Luxusmarken. Zwar gehöre Mode heute genauso wie früher zum Fußballeralltag, doch der sportliche Erfolg stehe über allem: "Wenn du erfolgreich bist, kannst du, überspitzt gesagt, auch mit der Unterhose ins Stadion gehen.

FCA-Aus keine "Niederlage"

Rückblickend versteht der Ex-Nationalspieler seinen bisherigen Werdegang als fortlaufenden Lernprozess, in dem auch vermeintliche Rückschläge einen festen Wert besitzen. Während Außenstehende manche Karrierephase negativ auslegen mögen, sieht Wagner darin notwendige Schritte für die persönliche Reife.

"Mir ist natürlich bewusst, dass viele Menschen meine letzte Station als berufliche Niederlagen werten würden, für mich waren sie jedoch immer ein nächster Entwicklungsschritt." Reue kennt er dabei nicht, denn jede Entscheidung – ob gut oder schlecht – habe seinen Charakter geformt und ihn zu der Persönlichkeit gemacht, die er heute verkörpert.