In diesem „Highlander“-Duell, an dessen Ende nur einer bleiben konnte, behielt Gasperini die Oberhand. Obwohl die Friedkin-Gruppe Ranieri fachlich schätzt, genießt der aktuelle Coach das uneingeschränkte Vertrauen der Eigentümer. Damit endet das Kapitel des ehemaligen Erfolgstrainers bei der Roma endgültig.
"Der Klub dankt Claudio für seinen bedeutenden Beitrag. Er hat die Mannschaft in einer extrem schwierigen Phase stabilisiert; wir werden ihm für seinen Einsatz stets dankbar sein. Unser Blick ist jedoch nach vorne gerichtet: Die AS Roma steht über allem. Wir vertrauen voll und ganz dem Weg unter der sportlichen Leitung von Gian Piero Gasperini mit dem Ziel, gemeinsam zu wachsen und Ergebnisse zu liefern, die unserer Historie gerecht werden."
Ranieri und Gasperini im Clinch
Ranieri legt damit seine Rolle als strategischer Berater der US-Führung nieder. Mit ihm geht auch Sportdirektor Massara, den Ranieri selbst installiert hatte. Zwischen Massara und Gasperini herrschte in Transferfragen selten Einigkeit; der Trainer hatte zuletzt mehrfach öffentlich fehlende Neuzugänge und die allgemeine Kaderplanung bemängelt.
Der Konflikt zwischen Ranieri und Gasperini, der nach neun Jahren bei Atalanta in die Ewige Stadt wechselte, schwelte auf vielen Ebenen. Die Differenzen reichten von Transferstrategien bis hin zu Unstimmigkeiten über die medizinische Abteilung und Reha-Zeiten, wie zuletzt im Fall des Brasilianers Wesley. Den endgültigen Bruch verursachte jedoch Ranieri selbst: Vor dem Spiel gegen Pisa erklärte er öffentlich, dass Gasperini lediglich die dritte oder vierte Wahl auf dem Trainerstuhl gewesen sei und er die Entscheidung nicht mitgetragen hätte.
Diese unterkühlte Spitze ließ Gasperini zwar zunächst unkommentiert, machte deren Gewicht in internen Gesprächen aber mehr als deutlich. Die Kluft war so tief, dass die beiden selbst bei offiziellen Essen kein Wort mehr wechselten. Eine Versöhnung galt als ausgeschlossen.
Der große Gewinner der Situation ist Gasperini. Ausgestattet mit einem Dreijahresvertrag geht er gestärkt aus dem Machtkampf hervor und erhält nun jene weitreichenden Kompetenzen bei sportlichen Entscheidungen, die er bereits bei Atalanta Bergamo genoss.
