Tim Kleindienst fackelt nicht lange. Kurze Annahme mit rechts, dann drückt er den Ball beherzt über die Linie. Der Rest ist pure Ekstase. Während bei den Heidenheimern in der neunten Minute der Nachspielzeit alle Dämme brechen, reibt sich Fußball-Deutschland die Augen: Der 1. FC Heidenheim – ein Dorfverein wie er im Buche steht – steigt erstmalig in die Bundesliga auf.
Drei Jahre sind seit jenem historischen Last-Minute-Erfolg in Regensburg (3:2) vergangen. Nun steht das 50.000-Einwohner-Städtchen an der Brenz vor dem Ende seines Erstliga-Märchens. Verliert der FCH am Samstag (15:30 Uhr) gegen den FC St. Pauli, ist der Abstieg in die 2. Liga besiegelt.

"Mit Leichtigkeit versuchen wir das auszublenden", sagte Trainer Frank Schmidt am Freitag: "Es geht um positive Gedanken. Wir spielen auf Sieg. Wir müssen etwas verhindern, da helfen nur Erfolgserlebnisse." Sein Team werde unabhängig von irgendwelchen Konstellationen "alles raushauen, das ist unsere Verantwortung bis zum Abpfiff dieser Saison".
Match-Center: Heidenheim vs. St. Pauli
Unfassbar enger Abstiegskampf
Ein schon am Samstag besiegelter Abstieg Heidenheims, so bizarr es im ersten Moment klingen mag, würde den Klassenkampf in der Bundesliga nur noch weiter zuspitzen.

Ein Sieg der Kiezkicker, die momentan auf dem Relegationsplatz rangieren, würde den Druck auf die vielen anderen Vereine im Keller-Gerangel schließlich maximal erhöhen. Ab Platz elf ist nichts entschieden.
"Natürlich ertappt man sich dabei, dass man sich das Restprogramm anguckt und schaut, was noch so möglich ist, auch gegen wen die anderen spielen", fasste Trainer Dieter Hecking vom VfL Wolfsburg die unübersichtliche Ausgangslage zusammen: "Aber es bringt ja nichts. Du kannst rechnen, so viel du willst."
