Aílton Gonçalves da Silva, der im Weltfußball liebevoll einfach nur Aílton genannt wird, hat sich seinen Platz im Schaufenster der Bundesliga und natürlich bei Werder Bremen redlich verdient: Er ist der fünftbeste ausländische Torschütze des deutschen Oberhauses und hat sich in der Saison 2003/04 in die Geschichte der Werderaner eingeschrieben: Er gewann sowohl die Meisterschaft als auch die Torjäger-Kanone.
All diese Errungenschaften geben Ailton die nötige Expertise, um seinen Eindruck von der unangefochtenen Dominanz des FC Bayern München, ihrem südamerikanischen Leistungsträger Luis Diaz und den Chancen von Neymar auf einen Platz im Kader von Carlo Ancelotti für die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada zu teilen.
Hier ist, was der ehemalige brasilianische Stürmer zu Flashscore zu sagen hatte.
WM 2026: Der "Fall Neymar" und die Favoriten auf den Titelgewinn
Welche Mannschaften sind Ihre Favoriten bei der WM im kommenden Sommer?
Ich würde sagen, Frankreich, Argentinien und England haben gute Mannschaften. Deutschland und Brasilien, weil sie Erfahrung und die Tradition haben, aber auch Spanien ist sehr stark einzuschätzen. Ich denke, bei einer Weltmeisterschaft kann alles passieren.
Deutschland schlägt sich aktuell gut, aber man weiß nicht, wie sie morgen spielen werden. Die Brasilianer sind sehr unsicher, sie haben Spieler, die noch nicht selbstbewusst sind. Es gibt einen renommierten Trainer (Carlo Ancelotti), aber diejenigen, die spielen müssen, sind die Spieler, und ich sehe nicht das Selbstvertrauen, um zu einer Weltmeisterschaft zu fahren und zu sagen 'Ich bin Brasilien'. Im Moment zeigen sie keinen großartigen Fußball. Aber als Lateinamerikaner setze ich auf Argentinien und Brasilien; und in Europa auf Frankreich, Spanien und möglicherweise Deutschland.
Sollte Ancelotti Neymar anrufen?
Um an einer Weltmeisterschaft teilzunehmen, muss man körperlich und geistig auf einem sehr hohen Niveau sein, denn es ist sehr schwierig. Ich habe noch nie an einer Weltmeisterschaft teilgenommen, aber ich weiß, dass es ein sehr schwieriger Wettbewerb ist. Neymar hat unbestreitbare Qualitäten, aber er muss seine Spielweise ändern, denn er ist nicht mehr der Neymar von früher; die körperliche Form ist nicht mehr dieselbe. Aber er ist ein Spieler, der mit einem einzigen Spielzug das ganze Spiel verändern kann. Wenn ich der Trainer wäre, würde ich ihn einberufen, und er würde auf meiner Liste der Spieler für die Weltmeisterschaft stehen.
Welche Spieler werden Ihrer Meinung nach bei der Weltmeisterschaft in Topform sein?
Frankreich hat Spieler, die bei der Weltmeisterschaft den Unterschied ausmachen werden. Vor allem Mbappé von Real und Olise von den Bayern. Sie sind beide wirklich beeindruckend.
Die Stärke der Bayern und ein Blick auf die Bundesliga
Sie kennen sich in der Bundesliga bestens aus, was halten Sie vom zweimaligen Bundesligameister Bayern München?
Es ist sehr einfach, über die Bayern zu sprechen; sie sind die beste Mannschaft und sie haben die besten Spieler. Und in dieser Saison spielen sie offensiv sehr gut. Sie haben Spieler mit viel Potenzial, die das Spiel bestimmen können. Da ist es in Deutschland zu erwarten, dass die Bayern gerade auf eine gute Phase blicken können.
Gehört Luis Diaz als Flügelspieler Ihrer Meinung nach zu den fünf besten Spielern der Welt?
Ja, der Spieler hat sich sehr gut entwickelt und hat sich sehr gut in das System eingefügt. Für einen lateinamerikanischen Spieler ist ein Wechsel immer etwas schwierig, wegen der Sprache, der Mentalität, der deutschen Struktur und Kultur, aber da er schon bei Liverpool war, hat er sich ausgezeichnet in Europa eingelebt. Er spielt sehr beeindruckend, für mich ist er einer der besten Angreifer in Europa.
Zudem hat er sich sehr gut mit Harry Kane eingespielt. Auch deshalb haben die Bayern solch eine große Offensivkraft, und daher sind sie auch mein Favorit in der Champions League.
Wenn wir Ihre Zeit als Spieler mit der Gegenwart vergleichen: Wie sehr hat sich die Bundesliga verändert?
Sie hat sich sehr stark verändert. Ich denke, dass es zu meiner Zeit Spieler mit mehr Qualitäten gab, die mehr den Anspruch hatten, dominanten Fußball zu spielen. Im Jahr 2004, als ich Meister wurde, betrug der Punkteunterschied zwischen uns und den Bayern lediglich sechs Zähler. Das war sehr wenig, und hinter uns kamen Dortmund, Leverkusen, Schalke, Stuttgart... Sie alle hatten sehr gute Spieler und hielten das Niveau sehr hoch.
Heute sehe ich die Bundesliga auf einem deutlich niedrigeren Niveau. Wenn wir Bayern und Dortmund herausnehmen, dann sind sie alle ganz unten. Deshalb hat die Bundesliga stark nachgelassen. Wir hatten Mannschaften, die um die Europa League und die Champions League kämpften, aber heute kämpfen diese Mannschaften um den Abstieg. Es hat sich also alles verändert. Außer die Bayern, die haben mehr als ein Jahrzehnt lang dominiert.

Was glauben Sie, warum ist das so?
Der Fußball im Allgemeinen hat sich sehr verändert. Die Spieler sind heute viel teurer und verlangen viel Geld, um Fußball zu spielen. Deshalb können Mannschaften, die nicht über die nötige Finanzkraft verfügen, keine Spieler verpflichten.
Was Deutschland betrifft, so haben Mannschaften wie Werder Bremen oder andere Mannschaften, die an der Spitze mitkämpfen konnten, Spieler unter Vertrag genommen, die eigentlich eine andere Analyse verdient hätten. Es gibt Spieler, die verpflichtet wurden und auf der Bank blieben, andere blieben zu Hause. Ich spreche nicht nur von Bremen, sondern von vielen Mannschaften.
Und wenn man eine starke Wirtschaftskraft hat, wie es bei den Bayern der Fall ist, hat man andere Möglichkeiten. Wenn ein Spieler ausfällt, dann gibt es einen anderen, der da den Posten übernimmt. Ich bin der Meinung, dass in den anderen Vereinen kaum Qualitätsspieler für den Kampf an der Spitze rekrutiert worden sind.
Die wiedergewonnene Torjäger-Trophäe und der Traum von der Rückkehr nach Brasilien
Wir wissen, dass Sie die Torjägerkrone der Bundesliga 2003/04 zurückbekommen haben: Wie kam es dazu?
Ein Manager hatte meine Trophäe damals in die Hände bekommen und wollte eine sehr hohe Summe von mir haben. Ich habe ihm gesagt, dass er zu dem Zeitpunkt nicht mein Agent war und ich daher keine Provision zahlen musste. Dann hat er meine Sachen mitgenommen, als ich in Mexiko war, und ich spreche von 2006, als ich für Hamburg spielte. Ich bat um meine Sachen, um sie aus meiner Wohnung in Hamburg abzuholen und nach Bremen zu bringen. Er hat einige Sachen nach Bremen gebracht, aber meine Trophäen in sein Haus in Köln mitgenommen. Nach der Türkei fuhr ich mit einem deutschen Vertreter nach Serbien und dort begann der Kampf.
Am Ende musste ich eine Gebühr für den Prozess zahlen, aber ich habe auch gesagt: 'Hey, ich gebe euch noch mehr, um das zu regeln. Wenn wir schon auf Gerechtigkeit warten, dann will ich sie auch bekommen (gewinnen). Ich will nicht verkaufen, und ich bin nicht damit einverstanden, dass Sie verkaufen, denn ich schulde Ihnen absolut nichts".
Aber das passiert vielen Fußballern, die auf schlechte Menschen treffen. Das passiert leider sehr oft. Damals habe ich nur ans Spielen gedacht und habe den (falschen) Leuten vertraut.

Wie sieht Ihre Gegenwart aus?
Ich lebe in Deutschland, ich führe ein ruhiges Leben. Ich bin ein Botschafter für den Werder Bremen. Ich muss bei Veranstaltungen dabei sein, jetzt am Abend habe ich wieder zwei Termine. Ich bin ruhig und möchte meinen Kindern ein bisschen europäische Kultur mitgeben, und dann denke ich, dass ich zurück nach Brasilien gehe, in mein Dorf, mit meinen Pferden... denn ich mag die Farm. Ich werde bald 53 Jahre alt und in zwei oder drei Jahren möchte ich zurückkehren.
Gibt es einen Moment im Leben, an dem Sie sagen: Ich habe genug getan, jetzt ist es Zeit, es zu genießen?
Ich spreche jetzt als Vater: Ich habe fünf Kinder. Und eine Familie ist eine große Sorge, eine sehr schwere Last, und der Vater hat immer den Gedanken, dass die Kinder nie erwachsen werden und den Vater immer brauchen werden. Ich habe Aílton und Estela, die 18 Jahre alt sind, und die anderen sind älter, sie haben schon ihre Arbeit. Das Engagement für die Familien führt dazu, dass man seinen Plan, seinen Weg ändert. In zwei oder drei Jahren möchte ich also nach Brasilien zurückkehren. Meine Kinder haben ihr Leben dann schon in den Griff bekommen, ihr Studium ist bereits abgeschlossen. Ich muss einfach den Rest meines Lebens genießen, mich ausruhen.
Stehen Sie in Kontakt mit Claudio Pizarro?
Wir sind immer in Kontakt mit Claudio. Er hat jetzt eine Rolle bei Bayern München (Botschafter) und ist bei vielen Veranstaltungen dabei. Das letzte Mal habe ich ihn in Bremen bei einer Fußballveranstaltung getroffen. Wenn wir ein bisschen Zeit haben, kommunizieren wir und trinken einen Kaffee, aber früher war die Kommunikation viel intensiver, jetzt ist sie etwas weniger geworden.
Zum Match-Center: VfB Stuttgart vs. Werder Bremen
