In einer Serie aus 15 Instagram-Beiträgen warf Infantino Medien und Beobachtern vor, "Hass" zu verbreiten und "falsche Gerüchte" in Umlauf zu bringen. Seine Aussagen vermittelten den Eindruck, als sehe er hinter der Kritik gezielte Kampagnen gegen die FIFA. Dabei hatte der Weltverband die Weltmeisterschaft aus seiner Sicht gerade als die "herausragendste" der Geschichte organisiert – ein Turnier, das nach Infantinos Darstellung sogar einen Dienst an der Menschheit geleistet habe.
Auf eine ernsthafte inhaltliche Auseinandersetzung mit den Kritikpunkten lässt sich der FIFA-Chef allerdings nicht ein. So verweist er darauf, dass die iranische Mannschaft ohne Zwischenfälle in die USA eingereist sei. Auch die Aufhebung von Sperren nach Roten Karten sei in internationalen Spitzenligen längst gängige Praxis. Zudem habe bei der WM "100 Prozent Sicherheit, nur Freude und Glück" geherrscht. Deshalb sei es nun an der Zeit, "etwas Liebe zu zeigen", fordert Infantino.
Erfolg der WM stärkt die Position des FIFA-Präsidenten
Dabei ist der Italo-Schweizer auf uneingeschränkten Zuspruch gar nicht angewiesen. Mehr als 200 FIFA-Mitgliedsverbände stehen nach Angaben des Weltverbandes hinter ihm, seine Wiederwahl gilt als äußerst wahrscheinlich. Auch wirtschaftlich scheint die Strategie der FIFA aufzugehen. Das Turnier in den USA, Mexiko und Kanada dürfte dem Weltverband Einnahmen in Milliardenhöhe bescheren.
Der finanzielle Erfolg stärkt Infantinos Position zusätzlich. Kritik an hohen Ticketpreisen, komplizierten Einreisebestimmungen oder einer möglichen politischen Einflussnahme auf sportliche Entscheidungen dürfte die FIFA deshalb auch künftig in Kauf nehmen.
Dennoch offenbart Infantinos Reaktion, dass die öffentliche Debatte Spuren hinterlässt. Auch wenn sie bislang keinen erkennbaren Kurswechsel auslöst, zeigt der ungewöhnlich emotionale Rundumschlag des FIFA-Präsidenten, dass fundierte Kritik durchaus Wirkung entfalten kann – selbst dann, wenn sie an den Entscheidungen des Weltverbandes zunächst nichts verändert.
