Urkomisch war es schon, die DOSB-Mitgliederversammlung in Baden-Baden war in der sechsten Stunde, der dramaturgische Höhepunkt am Samstagnachmittag live in der ARD war mit viel Vorlauf inszeniert worden - da zog Weikert den Zettel mit der Aufschrift "München" in Richtung der TV-Kameras aus dem Umschlag, ehe er ihn Steinmeier überreichte. "Ich glaube, es ist nicht schlimm, hat für ein paar Lacher gesorgt", sagte Weikert und grinste den Moment weg, der den bisherigen Höhepunkt seiner Präsidentschaft darstellte. Oder gar das definitive Highlight?
Nach der Abstimmung von Baden-Baden ist schließlich vor der Wahl von Frankfurt. Am 5. Dezember, in nicht mal zehn Wochen, stehen beim Deutschen Olympischen Sportbund Präsidiumswahlen an. Weikert, seit 2021 an der Spitze des Sportdachverbandes, betonte seit Monaten, sich erst nach der Kür des deutschen Bewerbers um Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 zu äußern. Seine Entscheidung habe er getroffen, verriet der 64-Jährige am Samstagabend im ZDF-Sportstudio - verkünden werde er diese aber erst "in der nächsten Woche".
Mronz als möglicher Nachfolger?
Parallel zum Entscheidungsprozess von Weikert - der nach der stürmischen Ära von Alfons Hörmann Ruhe in den DOSB brachte und auch für den gründlichen Bewerbungsprozess steht - hat der Verband eine Findungskommission eingesetzt. Als einer der möglichen Nachfolgekandidaten gilt neben Triathlon-Verbandspräsident Martin Engelhardt auch Sportmanager Michael Mronz. Als Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ist der 59-jährige Kölner wie Engelhardt bereits DOSB-Präsidiumsmitglied.
Nach seinen Ambitionen befragt, antwortete Mronz im Sportstudio ausweichend. "Der organisierte Sport hat eine Findungskommission eingesetzt, die Findungskommission führt Gespräche. Der Weg ist genauso wichtig wie nachher auch die Wahl", erklärte der Witwer des früheren Bundesaußenministers Guido Westerwelle.
Die erste Frage laute, so Mronz, "wie Thomas Weikert sich entscheidet. Danach wird die Findungskommission die notwendigen Gespräche führen. Dann wird man sehen, was der Vorschlag ist." Noch ist Zeit. Am 30. Oktober endet die Bewerbungsfrist. Vorher will Weikert für Klarheit sorgen.
