Wie Deutschlands neuer Radheld Florian Lipowitz, der vom Biathlon kam, und wie der frühere Vuelta- und Giro-Sieger Primoz Roglic, einst ein vielversprechender Skispringer, ist Jasch ein Umsteiger auf das Rennrad. Vor nicht mal drei Jahren jagte er noch als Eisschnellläufer Bestzeiten hinterher. Kein Wunder, sein Vater Helge ist Teamleiter bei der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG), seine Schwester Maira (21) wurde bei den Olympischen Spielen im Februar in Mailand Achte über 5000 m.
Lennart, 25, hätte es auch gern aufs olympische Eisoval geschafft. Doch muskuläre Dysbalancen zwangen ihn Ende 2023 in einen langwierigen Rehaprozess - und letztlich zu seinem sportlichen Glück: Auf dem Ergometer trat er erstaunliche Werte, wenig später bestritt er mit einer Tageslizenz sein erstes Radrennen, wurde auf Anhieb Zweiter - und hatte eine neue Perspektive.
Jasch als Nachrücker zum Tagessieg
Dan Lorang, der Trainer, der Jan Frodeno zum Triathlon-Dominator formte und auch den schüchternen Shootingstar Lipowitz entdeckte, brachte Jasch im Nachwuchs von Red-Bull-Bora-hansgrohe unter. In diesem Jahr wechselte er zur zweiten Riege des Schweizer Teams Tudor Pro Cycling.
Bei der Tour of the Alps, bei der sich Stars wie der frühere Tour-de-France-Sieger Egan Bernal oder der für seine waghalsigen Abfahrten berühmte Tom Pidcock den Feinschliff für den Giro d'Italia holen, rückte Jasch ins Profi-Team von Tudor nach.
Sein Auftritt am Donnerstag war sagenhaft. Aus einer fünfköpfigen Spitzengruppe löste sich Jasch bei einer Attacke, nach fast 170 km - davon 148 an der Spitze - mit 3600 Höhenmetern triumphierte er als Solist.
"Als ich in der Gruppe war, habe ich schon gefühlt, dass ich vielleicht den besten Tag meiner Karriere habe", sagte Jasch im unerwarteten Siegerinterview - schließlich sollte er ja nur seinem Kapitän Michael Storer helfen. "Ich hatte irre Beine", raunte Jasch ungläubig: "Ich habe von Anfang an an den Sieg geglaubt und alles getan, um ihn bis ins Ziel zu bringen. Es war verrückt."
