Remco Evenepoel hat den Rückhalt von Eddy Merckx und träumt vom historischen Double, Supertalent Paul Seixas greift als junger Thronerbe nach der Krone, Tadej Pogacars Edelhelfer Isaac Del Toro hofft ohne seinen Chef auf den großen Coup.
In Abwesenheit des verletzten Vorjahressiegers Pogacar dürfte es beim Finale der Rad-WM in Montréal am Sonntag (15 Uhr/ZDF-Livestream und Eurosport) so offen zugehen wie lange nicht – der Kampf um den Titel im Straßenrennen verspricht Hochspannung.

"Dadurch, dass Pogacar nicht am Start ist, wird es sicher anders sein als bei den vergangenen Weltmeisterschaften. Ich denke, es wird ein ziemlich offenes Rennen", sagt der deutsche Top-Fahrer Florian Lipowitz, der unter anderen Voraussetzungen wohl selbst eine Rolle im Kampf um das Regenbogentrikot hätte spielen können.
Deutsche Fahrer nur Außenseiter
Weil sein schwerer Sturz bei der Tour de France – Lipowitz brach sich damals das Schlüsselbein – erst etwas mehr als zwei Monate zurückliegt, ist eine Medaille nicht in Reichweite. "Ich bin definitiv noch nicht in Topform. Es ist offensichtlich, dass es noch nicht für ein super starkes Rennen reichen wird", bestätigt Lipowitz.

Die deutsche Mannschaft, zu der auch der formstarke Marco Brenner, Nico Denz, Felix Engelhardt, Maximilian Schachmann und Georg Zimmermann gehören, setzt ohne einen Ausnahmefahrer auf Geschlossenheit.
"Wir wollen schon Akzente setzen", betont Männer-Bundestrainer Jens Zemke, der die Chancen für German Cycling aber einzuordnen weiß: "Wenn man sich die Startliste durchliest, ist man schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt."
Belgien darf sich viel ausrechnen
Auch ohne Pogacar, der seinen Titel wegen der Folgen seines Vuelta-Sturzes nicht verteidigen kann, ist das Starterfeld mit Top-Stars gespickt. Vor allem die belgische Mannschaft mit Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel und dem Super-Allrounder Wout van Aert rechnet sich auf dem Kurs über 273,4 km und 3803 Höhenmeter viel aus.
"Ich denke, wir haben sehr gute Chancen auf den Erfolg", sagte Belgiens Rad-Ikone Merckx, der beim letzten WM-Rennen in Montréal 1974 triumphiert hatte, bei RTBF: "Wir haben eine 50-prozentige Chance, einen Belgier als Weltmeister zu sehen."
In der belgischen Doppelspitze ist Evenepoel wohl der Hauptfavorit. Am vergangenen Sonntag wurde der 26-Jährige zum vierten Mal nacheinander Zeitfahr-Weltmeister, nun könnte er als erster Mann das WM-Double schaffen.
