NHL: Edmonton verliert trotz Draisaitl-Assists – Utah schreibt Playoff-Geschichte

Anaheims Alex Killorn jubelt nach seinem Tor in Spiel 3 gegen die Edmonton Oilers.
Anaheims Alex Killorn jubelt nach seinem Tor in Spiel 3 gegen die Edmonton Oilers.Mark J. Terrill / CTK / AP

Trotz zwei Vorlagen des deutschen NHL-Stars Leon Draisaitl sind die Edmonton Oilers in der Playoff-Serie gegen die Anaheim Ducks in Rückstand geraten. In Spiel 3 setzte es eine deutliche Schlappe, auch wenn sich Co-Star Connor McDavid ebenfalls endlich auf die Scorerliste eintragen konnte. Historisch wurde es dagegen in Utah.

Anaheim Ducks 7:4 Edmonton Oilers

Die Anaheim Ducks feuerten aus allen Rohren und sicherten sich mit einem spektakulären 7:4-Schützenfest gegen die Edmonton Oilers die 2:1-Serienführung. Mit einer absoluten offensiven Dominanz erspielten sich die spielfreudigen Ducks ein beeindruckendes Schussverhältnis von 39:24. Historisch gesehen ist dies ein hervorragendes Omen: Teams, die eine Auswärtsserie starten und dann in Spiel 3 mit 2:1 in Führung gehen, erreichen in 61 Prozent der Fälle die nächste Runde. Zudem war der letzte Playoff-Seriensieg der Ducks ausgerechnet im Jahr 2017 gegen eben jene Edmonton Oilers.

Die Partie startete rasant, wobei zunächst die Gäste aus Kanada jubeln durften, als Vasily Podkolzin mit seinem allerersten Playoff-Tor die Oilers früh in Front brachte. Doch Anaheim ließ sich davon nicht im Geringsten aus der Ruhe bringen und antwortete nur drei Minuten später mit einem blitzschnellen Doppelschlag. Mason McTavish erzielte den Ausgleich – das erste Playoff-Heimtor der Ducks seit Hampus Lindholm im Jahr 2018 –, bevor Mikael Granlund wenig später im Powerplay direkt die 2:1-Führung markierte. Es war der Lohn für ein hochkonzentriertes erstes Drittel der Gastgeber.

Das zweite Drittel gehörte zu Beginn den Oilers, die eine kurze Schwächephase der Ducks eiskalt bestraften. Kasperi Kapanen (auf Vorlage von Leon Draisaitl) und Ryan Nugent-Hopkins drehten die Partie binnen knapp zwei Minuten auf 3:2 für Edmonton. Dabei feierte Superstar Connor McDavid, der in der Serie bis dato blass geblieben war, mit einem Assist endlich seinen ersten Scorerpunkt. Die Hausherren bewiesen jedoch eine exzellente Moral. Routinier Alex Killorn schlug gut sieben Minuten vor der Pause zurück und rettete sein Team mit dem psychologisch wichtigen 3:3-Ausgleichstreffer ins Schlussdrittel.

Im letzten Spielabschnitt machten die Ducks dann kurzen Prozess und brachen den Willen der Kanadier endgültig. Beckett Sennecke und Leo Carlsson stellten mit einem furiosen Doppelschlag innerhalb von nur 42 Sekunden schnell auf 5:3. Zwar ließ McDavid mit seinem Anschlusstreffer nach zweitem Draisaitl-Assist zum 5:4 noch einmal kurz Spannung aufkommen, sabotierte die Hoffnungen seines Teams dann aber selbst durch eine unnötige Strafzeit wegen Cross-Checks. Anaheim nutzte das anschließende Überzahlspiel gnadenlos aus, stellte durch Jeffrey Viel auf 6:4 und krönte die Galavorstellung durch Jackson LaCombes Empty-Net-Treffer zum 7:4-Endstand.

Montreal Canadiens 3:2 (OT) Tampa Bay Lightning

Es war ein Abend der puren Dramatik im Bell Centre, als die Montreal Canadiens in Spiel 3 der Erstrundenserie die Tampa Bay Lightning mit 3:2 in der Verlängerung niederrangen. Der Held des Abends war ausgerechnet Verteidiger Lane Hutson, der nach 2:09 Minuten in der Overtime mit seinem "vielleicht ersten Schlagschuss des ganzen Jahres" den Puck durch den Verkehr ins Netz hämmerte. Damit sicherten sich die Canadiens, die als Nummer 3 der Atlantic Division in die Playoffs gestartet sind, eine verdiente 2:1-Serienführung. Bemerkenswert: Alle drei bisherigen Duelle dieser packenden Serie mussten in der Verlängerung entschieden werden.

Eine besonders emotionale Geschichte schrieb an diesem Abend Montreals Angreifer Kirby Dach, der nach einem schweren Fehler im vorherigen Spiel heftig in der Kritik stand. Cheftrainer Martin St. Louis bewies jedoch großes Vertrauen, beförderte Dach vom rechten Flügel auf die Center-Position und sah, wie sein Schützling mit einem Tor und einem Assist brillierte. Die Fans in Montreal empfingen Dach beim Aufwärmen mit lautstarkem Jubel auf dem Videowürfel, was dem Spieler sichtlich einen moralischen Schub gab. Seine neu formierte Reihe mit Alexandre Texier und Zachary Bolduc harmonierte prächtig und steuerte insgesamt sechs Scorerpunkte zum Sieg bei.

In der regulären Spielzeit lieferten sich beide Teams einen offenen Schlagabtausch, bei dem die Führung munter wechselte. Texier eröffnete das Toreschießen im ersten Drittel mit einem starken Abschluss, doch Brayden Point glich wenig später im Powerplay aus und sicherte sich damit seinen 90. Karriere-Playoff-Punkt. Im zweiten Abschnitt brachte Brandon Hagel die Gäste aus Florida nach einem clever abgefangenen Pass sogar mit 2:1 in Front. Dach krönte schließlich seine persönliche Wiedergutmachungstour, als er den Puck abgefälscht über den Umweg des Schoners von Tampa-Verteidiger Ryan McDonagh zum 2:2-Ausgleich an Andrei Vasilevskiy vorbeibrachte.

Auf Seiten der Lightning herrschte nach dem Schlusspfiff spürbare Frustration über die gezeigte Leistung. Headcoach Jon Cooper bezeichnete den Auftritt seines Teams als das schlechteste Spiel der bisherigen Serie von Anfang bis Ende und bemängelte vor allem die zahlreichen Konterchancen, die man Montreal gewährte. Dass Tampa Bay überhaupt die Verlängerung erreichte, hatten sie einzig ihrem stark aufspielenden Schlussmann Vasilevskiy zu verdanken, der 26 Paraden verzeichnete und sein Team lange im Spiel hielt. Letztlich musste aber auch die Defensive der Lightning anerkennen, dass an diesem Abend die bessere Mannschaft gewonnen hatte.

Utah Mammoth 4:2 Vegas Golden Knights

Historische Nächte verlangen nach großen Auftritten, und die Utah Mammoth um DEB-Nationalspieler JJ Peterka lieferten bei ihrem allerersten Heimspiel in der Geschichte der Stanley Cup Playoffs exakt das ab. Im brodelnden Delta Center in Salt Lake City bezwangen die Gastgeber die topgesetzten Vegas Golden Knights mit 4:2 und rissen in der Best-of-7-Serie die 2:1-Führung an sich. Die Wild-Card-Sensation aus Utah zeigte dabei von der ersten Minute an, dass sie sich vor der Nummer 1 der Pacific Division keineswegs verstecken will. Angetrieben von der euphorischen Kulisse kontrollierte das Heimteam über weite Strecken souverän das Geschehen.

Den Grundstein für diesen denkwürdigen Erfolg legten die Mammoth bereits im ersten Drittel durch gnadenlose Effizienz im Torabschluss. Verteidiger MacKenzie Weegar ließ die Halle in der 13. Minute zum ersten Mal erbeben, als er einen freiliegenden Puck aus dem hohen Slot per Schlagschuss durchrutschen ließ. Kurz vor der Drittelpause erhöhte Dylan Guenther mit einem grandiosen One-Timer im Powerplay auf 2:0. Vegas-Goalie Carter Hart, der einen rabenschwarzen Abend erwischte und insgesamt nur acht Schüsse parieren konnte, wirkte bei den Angriffswellen der Gastgeber immer wieder überfordert.

Der unangefochtene Star des Mittelabschnitts war Stürmer Lawson Crouse, der die Führung im Alleingang auf ein komfortables Polster ausbaute. Zunächst fälschte er in der fünften Minute des zweiten Drittels einen Pass von Nick Schmaltz unhaltbar zum 3:0 ab. Nur gut fünf Minuten später schnürte Crouse seinen Doppelpack, als er Hart mit einem präzisen Handgelenkschuss erneut auf der Stockhandseite überwand und auf 4:0 stellte. Diese beruhigende Führung gab Utah die nötige Sicherheit, um das Spielgeschehen strategisch zu verwalten und den sichtbar frustrierten Gästen aus Nevada den Schneid abzukaufen.

Im Schlussabschnitt bewiesen die Golden Knights zwar noch einmal etwas Moral und versuchten, ins Spiel zurückzufinden, doch das kleine Comeback kam zu spät. Jack Eichel verwertete im Gewühl einen Rebound mit der Rückhand zum 4:1, und Nic Dowd verkürzte knapp drei Minuten vor der Schlusssirene noch auf 4:2. Utahs Torhüter Karel Vejmelka erwies sich jedoch als der nötige Fels in der Brandung, wehrte insgesamt 29 Schüsse ab und erstickte jede weitere Aufholjagd im Keim. So durften die Fans in Utah am Ende eines denkwürdigen Eishockeyabends den verdienten ersten Playoff-Heimsieg ihrer Franchise ausgelassen feiern.