Eigentlich. Denn zumindest öffentlich hält die Formel 1 weiter an ihrem Kalender fest. Die Rennen in Katar und Abu Dhabi seien "bestätigt", das sind die weiterhin gültigen Aussagen von CEO Stefano Domenicali zum Thema, "und übrigens sind sie beide ausverkauft. Das ist ein unglaubliches Zeichen dafür, wie sehr der Sport größer ist als das Problem, mit dem unsere Welt zu kämpfen hat." Auch Lewis Hamilton stimmte klar für das Finale am Golf.
Diese Einschätzung ist für sich schon bemerkenswert, die Haltung der Rennserie mag aber auch aus anderen Gründen verwundern. Denn zum einen tickt die Uhr. Am Samstag (13.00 Uhr MESZ/Sky) beginnt mit dem Grand Prix in Aserbaidschan der Saisonendspurt, neun Rennen sind bis Dezember noch angesetzt, tonnenschweres Equipment muss jeweils Wochen im Voraus auf die Reise geschickt werden.
Millionen-Gründe gegen eine schnelle Absage
Und zum anderen wirkt eine Absage ohnehin schwer vermeidbar, seit den Angriffen der USA und Israels auf Iran im Frühjahr wurde eine politische Lösung bislang nicht gefunden. Im Falle einer Austragung müssten nicht nur die Formel 1, sondern auch die großen Hersteller Menschen für ein weltweit beachtetes Sportevent in eine zumindest unsichere Region schicken.
Im Fahrerlager bereitet man sich daher auch längst vor auf ein Saisonende in Europa. Für das Wochenende, an dem Abu Dhabi im Plan steht (5./6. Dezember), sind die Hotels rund um Imola geblockt. Doch mit einer Absage tut sich die Formel 1 schwer, das hat verschiedene Gründe.
Zum einen bestehen die betroffenen Organisatoren in Katar und Abu Dhabi auf einer Austragung, beide gehören zu den zahlungskräftigsten Standorten der Formel 1 und werden mit Blick auf die weitere Beziehung entsprechend rücksichtsvoll behandelt. Und auch für dieses Jahr geht es um viel Geld. 40 bis 50 Millionen Dollar sollen Katar und Abu Dhabi jeweils für ihre Rennen bezahlen - sagt die Formel 1 die Events von sich aus ab, verliert sie grundsätzlich den Anspruch auf Geld.
Entscheidung erst im November?
Über die Antrittsgebühren hinaus muss die Rennserie ihren zahlreichen Sponsoren und TV-Partnern zudem eine vertraglich zugesicherte Anzahl an Rennen pro Jahr bieten, auch hier geht es um hohe Summen. Dies führt zu bemerkenswerten Anstrengungen, zunächst abgesagte Rennen doch noch irgendwie in den engen Kalender einzubauen. So war etwa der für April geplante Lauf in Bahrain wegen des Irankriegs abgesagt worden, nun findet er am 4. Oktober doch noch statt: Als "Grand Prix von Bahrain in Malaysia".
Die Formel 1 könnte nun noch eine ganze Weile warten, vorstellbar ist, dass eine Entscheidung erst Anfang November fällt. Dabei dürfte dann auch die offizielle Bewertung von außen eine Rolle spielen, die Teilnehmenden reisen vor allem aus Europa und den USA an. Das Auswärtige Amt etwa rät momentan von Reisen nach Katar ab.
