Knorr sprach aus, was beim EM- und Olympia-Zweiten alle dachten. Acht Monate vor der Gold-Mission bei der Heim-WM spielen Deutschlands Handballer inzwischen recht konstant auf hohem Niveau und dürften ein heißer Anwärter auf die Medaillen sein - titelreif sind sie noch nicht. Dennoch gelte es, betonte Knorr, "nicht den Kopf in den Sand zu stecken".
Die beiden Niederlagen (28:36, 29:31) gegen den - im zweiten Spiel nicht bestbesetzten - Olympiasieger, Welt- und Europameister machten auch Gislason zu schaffen. Statt sich mit einem psychologisch so wichtigen Erfolgserlebnis in die fast sechsmonatige Länderspielpause zu verabschieden, setzte es die elfte Niederlage gegen den nordischen Rivalen nacheinander.
Lücke nicht kleiner geworden
Gislason sah in beiden Partien "viel Positives". Doch die Lücke auf die Dänen sei "momentan nicht" kleiner geworden, konstatierte der Bundestrainer ernüchtert - wohlwissend, dass ihm kaum noch Gelegenheiten für den Feinschliff bleiben.
Nach dem Saisonendspurt in den Klubs geht es für die Handballer in die Sommerpause, die nächsten Länderspiele finden erst im Herbst statt. Am 5. November (20.30 Uhr) trifft Deutschland im Rahmen der EM-Qualifikation in der Berliner Uber Arena auf Belgien, am Wochenende danach geht es in die Slowakei. "Das ist eine sehr lange Zeit, in der ich die Jungs nicht sehe", so Gislason.
Immer wieder Dänemark
Zehn Jahre dauert die Durststrecke gegen die Dänen inzwischen, selbst in der lärmenden Lanxess-Arena, die mit ihren 20.000 Fans auch Schauplatz der Medaillenspiele bei der WM sein wird, klappte es am Sonntag nicht. Dabei fehlten auf dänischer Seite in Welthandballer Mathias Gidsel, Spielmacher Rasmus Lauge und Abwehrchef Magnus Saugstrup drei zentrale Spieler.
Probleme bei der Chancenverwertung, technische Fehler - auch Kapitän Johannes Golla nahm in seiner Analyse kein Blatt vor den Mund. Positiv sei die Defensive gewesen, so Golla, aber: "Wir nehmen natürlich auch mit, dass wir nicht an unser Optimum gekommen sind und mit dieser Menge an Fehlern auch nicht konkurrenzfähig mit Dänemark sind." Dahinter sei Deutschland "in der Verfolgergruppe mit Mannschaften wie Frankreich, wie Norwegen, wie Schweden, wie Island".
Während die Nationalspieler mit ihren Vereinen nun auf die Zielgeraden der Saison einbiegen, geht der Blick bei Gislason schon nach München, wo am 10. Juni die WM-Gruppen ausgelost werden. "Ich bin sehr gespannt, wer da auf uns zukommt", sagte der Isländer. Die gute Nachricht: Dänemark wird es in der Vorrunde ganz sicher nicht sein.
