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"Gemeinsamer Traum": Deutschland hat Bewerbung für Grand Départ offiziell übergeben

Aktualisiert
Tour-Direktor Christian Prudhomme steht einem Etappenstart in Deutschland positiv gegenüber.
Tour-Direktor Christian Prudhomme steht einem Etappenstart in Deutschland positiv gegenüber.REUTERS/Stephanie Lecocq

Die Pläne für eine Rückkehr der Frankreich-Rundfahrt nach Deutschland haben einen weiteren Meilenstein erreicht. Die deutsche Bewerbung für den Grand Départ der Tour de France 2029 wurde am Mittwoch in Berlin offiziell an den Rennveranstalter Amaury Sport Organisation (A.S.O.) übergeben. Der deutsche Verband German Cycling übergab das "Bid Book" samt eines Stücks der Berliner Mauer im Beisein hochrangiger Vertreter aus Politik, Sport, Wirtschaft und Diplomatie an A.S.O.-Generaldirektor Yann Le Moënner und Tour-Direktor Christian Prudhomme.

Das wichtigste Radrennen der Welt soll 2029 – 40 Jahre nach der Friedlichen Revolution und dem Fall der Berliner Mauer – nach Berlin und Mitteldeutschland geholt werden. Unterstützt wird die Bewerbung vom Bund sowie den Ländern Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Vergabeentscheidung trifft allein die A.S.O., voraussichtlich Anfang 2027.

Prudhomme spricht von "gemeinsamen Traum"

"Die Bewerbung, die uns heute überreicht wurde, ist zweifellos äußerst attraktiv. Wir werden sie mit größter Aufmerksamkeit prüfen, auch wenn wir bereits erste Informationen dazu hatten. Es ist ein äußerst überzeugendes Projekt", sagte Prudhomme am Brandenburger Tor: "Die Tour de France war immer dort zu Hause, wo Geschichte geschrieben wird – echte, große Geschichte. Sollte die Tour im Jahr 2029 tatsächlich in Berlin starten, dann wäre sie Teil eben dieser Geschichte."

Man erhalte viele Bewerbungen für den Grand Départ, ergänzte er. "Der Unterschied zur deutschen Bewerbung besteht darin, dass sie zeitlich eng mit dem historischen Jubiläum des Mauerfalls verknüpft ist. Dieser symbolische Bezug lässt sich nicht einfach auf einen späteren Zeitpunkt verschieben", meinte Prudhomme: "Ich hoffe sehr, dass wir gemeinsam an diesem Projekt arbeiten und einen Traum verwirklichen können, den wir miteinander teilen."

Reise durch vier Bundesländer

Elisabeth Kaiser, Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland, sprach von einem "bedeutenden Jubiläum für ganz Deutschland". Die Aufbauleistung der Menschen in Ostdeutschland seit 1989 sei beeindruckend und verdiene Aufmerksamkeit und Anerkennung. "Es ist an der Zeit, selbstbewusst über diese Erfolgsgeschichte zu sprechen. Der Grand Départ der Tour de France würde diese Botschaft auf die große internationale Bühne tragen und die Leistungen der Ostdeutschen einem Milliardenpublikum eines der weltweit bedeutendsten Sportereignisse sichtbar machen", sagte Kaiser.

Bernd Dankowski, Präsident von German Cycling, wertet die Bewerbung als "Chance, den Radsport in Deutschland nachhaltig zu stärken – durch internationale Sichtbarkeit, neue Impulse für unsere Vereine und die langfristige Förderung kommender Generationen."

Die Große Schleife soll in der Hauptstadt beginnen und anschließend durch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen führen. Die Initiatoren rechnen mit zwölf Millionen Besuchern, sie erhoffen sich zudem einen wirtschaftlichen Mehrwert von rund 150 Millionen Euro.

2027 beginnt die Rundfahrt in Edinburgh. Nach der Champagne 2028 ist 2029 wieder ein Auslandsauftakt vorgesehen. Die Frankreich-Rundfahrt hat in ihrer langen Geschichte viermal in Deutschland begonnen, zuletzt 2017 in Düsseldorf. Zuvor waren Köln (1965), Frankfurt/Main (1980) und West-Berlin (1987) Gastgeber des Grand Départ.

Prudhomme und Lipowitz sprechen sich für Deutschland-Start aus

"Ich habe große Lust, dass wir bald wieder nach Deutschland zurückkehren", hatte Prudhomme bereits am Rande des furiosen Finals am Sonntag in Paris in der ARD gesagt. "Natürlich" gebe es die Möglichkeit eines Starts in Deutschland, "ich hoffe, dass wir bald zu einem Abschluss kommen."

Auch unter den deutschen Profis findet die Idee Anklang. "Man hat gesehen, wie begeistert die deutschen Fans sind", sagte Florian Lipowitz, der einen Grand Départ in der Heimat begrüßen würde: "Als deutscher Fahrer wäre das natürlich ein Mega-Erlebnis, die Tour in Deutschland zu starten."