Vom hochgehandelten Talent zum Serie-A-Champion: "Wenn ich auf meine bisherige Karriere zurückblicke, gab es natürlich Rückschläge, aber auch schöne Momente“, beginnt Elmas das Interview.
"Im Moment bin ich zufrieden. Es könnte natürlich immer besser laufen. Ich denke, vieles hätte auch deutlich besser laufen können, aber manchmal entwickeln sich die Dinge nicht genau so, wie man es plant. Trotzdem habe ich das Gefühl, in diesen 26 Jahren genug erreicht zu haben. Deshalb hoffe ich, dass es so weitergeht."
"Ich glaube, dass ich noch eine weitere Stufe erreichen kann, weil ich noch jung bin. Man sieht Spieler, die erst in ihren Dreißigern ihre beste Zeit erleben. Deshalb hoffe ich, gesund zu bleiben, und dann werden wir sehen, wie sich die Dinge entwickeln."
Mit Titeln im Supercup, der Coppa Italia und dem Serie-A-Scudetto sowie knapp 200 Einsätzen unter Trainergrößen wie Carlo Ancelotti, Luciano Spalletti, Antonio Conte und Maurizio Sarri liest sich seine Vita beachtlich. Inzwischen bestreitet der Mittelfeldakteur seine achte Spielzeit im italienischen Oberhaus. Atalanta gelang es, den Nordmazedonier für eine Saison inklusive Kaufoption von RB Leipzig auszuleihen, und stach dabei namhafte Konkurrenten aus Europa aus.
Elmas: "Jeder in Italien kennt mich"
Der gebürtige Skopjer gewöhnt sich Schritt für Schritt an das Leben in Bergamo. Die Integration fiel ihm jedoch leicht – nicht zuletzt dank einer starken Balkan-Fraktion im Kader: "Das hat mir vieles erleichtert. Sobald ich angekommen war, haben mir all die Jungs aus dem ehemaligen Jugoslawien sofort geholfen. Es war einfacher, weil ich auch Serbisch und all die anderen Sprachen spreche."
"Deshalb war es natürlich deutlich leichter. Wir verbringen auch abseits des Platzes Zeit miteinander. Das sind alles großartige Jungs. Aber auch die anderen Spieler haben mich sehr gut aufgenommen, weil ich nun schon seit einigen Jahren in Italien bin. Jeder in Italien kennt mich, ich spreche Italienisch. Deshalb war die Eingewöhnung viel einfacher als erwartet."

Elmas gilt in Italien dank seiner enormen Flexibilität als taktischer Joker. Cheftrainer Sarri lässt ihn im 4-3-3 bevorzugt auf dem linken Flügel auflaufen. Auch wenn sich Elmas im zentral-offensiven Mittelfeld am wohlsten fühlt, kommt er auf der Außenbahn gut zurecht: "Das 4-3-3-System passt gut zu mir. In meiner Jugend habe ich auf der linken Seite gespielt, später als klassischer Zehner. Wenn ich meine Lieblingsposition wählen müsste, wäre Letzteres besser für mich. Ich sehe mich eher als klassischen Zehner, aber auch die linke Seite liegt mir."
"Ich fühle mich auf der linken Seite sehr wohl. Vielleicht bin ich nicht so explosiv wie Vinicius Jr oder Kylian Mbappe, aber ich verstehe die Position gut und weiß, wie man von dort Tore erzielt. Tatsächlich sind fast alle meine Tore von dieser Position aus gefallen. Deshalb ist die linke Seite für mich in Ordnung. Wenn ich mir aber eine Position aussuchen müsste, würde ich lieber als klassischer Zehner spielen. Zehner sind heutzutage allerdings selten. Deshalb ist es schwieriger, ein System zu finden, das diese Rolle heute vorsieht."
Meisterschaftstraum in Neapel
Espresso, Pizza und leidenschaftlicher Fußball: Neapel lebt für den Sport. Elmas war eine der Schlüsselfiguren, als die Stadt im Mai 2023 in Ekstase geriet.
Unter Luciano Spalletti sicherte sich Napoli nach 33 Jahren Wartezeit wieder die Meisterschaft. An die spielentscheidende Mentalität im Sommer vor der Triumphsaison erinnert er sich noch genau: "Was mich gleich zu Beginn am meisten beeindruckt hat, war unsere Ankunft zum Vorbereitungstraining. Er (Spalletti) kam zu uns und sagte: ‚Hört zu, im vergangenen Jahr sind wir Dritter geworden. In diesem Jahr will ich aber nicht Zweiter, Dritter oder Vierter werden. In diesem Jahr will ich Meister werden. Wir werden Meister.‘"
"Manchmal glaubten sogar wir selbst nicht daran, dass wir Meister werden würden. Nach 33 Jahren mit Napoli die Liga zu gewinnen, ist unglaublich schwierig. Aber in diesem Moment begannen wir alle daran zu glauben. Seine Worte gaben uns zusätzliche Energie, um unsere Arbeit noch intensiver anzugehen."
"Manchmal war er im Training sogar, wenn ich das so sagen darf, nervig damit. Aber erst später, wenn er weg ist, merkt man, wie sehr einem das tatsächlich hilft, ein bestimmtes Niveau zu erreichen. 2022/23 gab es so viele großartige Momente. Im Februar bezeichneten uns die Leute bereits als Favoriten, und wir hatten 20 Punkte Vorsprung. Es gab einfach so viele Momente, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll."
Stimmungswandel in der Bundesliga
"Im April stellten sie dort, wo ich wohnte, eine Statue von mir auf – eine aus Plastik, wisst ihr, in einem großen Park in der Nähe meiner Wohnung. Direkt am Eingang stand eine Statue von mir. Die Fans bereiteten sich auf die Trophäenübergabe vor. Alles in Neapel war wirklich besonders. Jede Woche kamen Leute zu mir nach Hause und brachten Kuchen und alle möglichen Speisen mit. Wenn ich in ein Restaurant ging, war bereits alles bezahlt. Man konnte nicht einfach spazieren gehen. Dieses Jahr war einfach surreal."
Nach dem Titelgewinn verließ Spalletti Neapel. Wenig später folgte auch Elmas dem Ruf von RB Leipzig und unterschrieb in der Bundesliga einen Vertrag bis 2028. Das Engagement bei den "Roten Bullen" verlief jedoch enttäuschend. Nach nur 297 Einsatzminuten in 16 Spielen kehrte Elmas für die Rückrunde 2024/25 auf Leihbasis nach Italien zurück. Beim FC Turin fand er mit vier Toren in 13 Partien schnell zu alter Stärke.
Wollte Rose Elmas nicht?
"Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich jemals danach gefragt wurde oder ob ich das irgendjemandem gegenüber erwähnt habe. Aber ich persönlich wurde von Max Eberl ausgewählt. Er ist jetzt Sportdirektor bei Bayern München. Damals kam er tatsächlich zweimal mit Rouven Schröder und einem weiteren Direktor zu mir nach Hause."
"Sie waren es, die auf meinen Transfer bestanden. Damals glaube ich nicht, dass ich ein Spieler war, den der Trainer (Marco Rose) wollte. Ich war ein Spieler, den die Sportdirektoren wollten. Als ich in Leipzig ankam, war Max bereits zu Bayern München gegangen. Nach einem Gespräch mit dem Trainer wandte ich mich an meine Mutter und sagte: ‚Hör zu, das könnte viel, viel schlimmer werden, als ich erwarte.‘"
"Sie spricht manchmal noch immer darüber und fragt mich, ob ich mich daran erinnere, das gesagt zu haben. Ich hatte ein Gefühl, eine Ahnung, dass der neue Sportdirektor mich dort eigentlich nicht haben wollte. Später stellte sich heraus, dass es tatsächlich so war. Sobald sie sich vom Sportdirektor (Eberl) getrennt hatten, rief mich der Neue schon am nächsten Tag an und sagte mir, dass ich gehen müsse. Vielleicht gab es ein Problem mit dem Trainer, ich weiß es nicht. Aber es hat keinen Sinn, sich jetzt noch damit zu beschäftigen."
Sportdirektor Max Eberl formte im Anschluss bei Bayern München eine hochkarätige Mannschaft unter Vincent Kompany. Elmas betont derweil, dass die Entscheidung für die Bundesliga sportlich absolut begründet war: "Ich habe mich für die Bundesliga entschieden, weil ich einen Tapetenwechsel wollte und sehen wollte, wie es dort sein würde."
"Manchmal laufen die Dinge in einer anderen Liga nicht nach Plan. Ich höre allerdings Leute sagen: ‚Er hat nicht die Qualität, um in der Bundesliga zu spielen‘ und so weiter. Das ist nur Gerede. Ich habe im Training und in den Spielen selbst gesehen, wie dort gespielt wird. Ich glaube, wenn ich genügend Chancen bekommen hätte, wäre ich perfekt für diese Liga geeignet gewesen."
"Deshalb habe ich mich dafür entschieden. Ich wusste, dass ich nicht nur in der Bundesliga, sondern in jeder Topliga spielen kann, weil ich weiß, was für ein Spieler ich bin. Ich weiß, dass ich mich sehr leicht an jedes Tempo anpassen kann, weil ich körperlich immer in Topform bin. Was meine Zeit in Leipzig betrifft, weiß ich nicht, was ich sagen soll. Ich denke, es hat einfach nicht richtig gepasst."
"Ich glaube, dass ich ideal zur Bundesliga passe, weil der Spielstil der Türkei ähnelt. Meiner Meinung nach gibt es keinen Unterschied. Als ich in der Türkei spielte, stand ich mit Robin van Persie und großen Namen wie Roberto Soldado, Vincent Janssen, Mathieu Valbuena und Mauricio Isla auf dem Platz. Niemand kann mir sagen, dass ich nicht die Qualität für die Bundesliga habe."
"Danach ging ich zu Napoli und spielte mit Kevin De Bruyne, Scott McTominay, Stanislav Lobotka und vielen anderen starken Spielern zusammen. Niemand kann mir also sagen, dass ich nicht in der Bundesliga spielen kann. Wenn ich bei Leipzig nicht gut genug für die Bundesliga gewesen wäre, könnte ich auch nicht bei Napoli spielen."
Im Sommer 2025 folgte die Rückkehr nach Neapel auf Leihbasis, wo Antonio Conte das Zepter übernommen hatte. Elmas überzeugte auf Anhieb, absolvierte 44 Pflichtspiele und feierte den Gewinn des Supercups. "Ehrlich gesagt hatte ich erwartet, bei Napoli zu bleiben, weil seit März darüber gesprochen worden war, dass sie mich fest verpflichten würden. Aber am Ende kommt es eben, wie es kommt."
"Als der Mai kam, wurde mir klar, dass ich vielleicht wieder einen Wechsel vornehmen und irgendwo anders hingehen müsste. Ich hatte eine großartige Saison bei Napoli und bestritt 44 Spiele. Es ist eine Ehre, 44 Spiele unter einem Trainer wie Antonio Conte zu absolvieren. Sagen zu können, dass man 44 Partien für ihn gespielt hat, bedeutet viel."
"Genau deshalb habe ich mich für die Rückkehr zu Napoli entschieden: wegen Antonio Conte. Ich wollte wieder mit einem Experten wie ihm arbeiten. Nun habe ich das Glück, in diesem Jahr mit einem weiteren Toptrainer, Maurizio Sarri, zusammenzuarbeiten."
Auf die Frage, ob Napoli ihn bei einem Verbleib von Conte fest verpflichtet hätte, antwortet der Mittelfeldspieler ohne Zögern: "Ja, und es wäre meine siebte Saison (in Neapel) gewesen. Wenn Conte geblieben wäre, wäre ich jetzt sicher bei Napoli."
Mögliche Rückkehr zu Fenerbahce und große Ziele
Drei Ausleihen in drei Jahren – keine leichte Situation für die Entwicklung eines Profis. Während die Gerüchteküche brodelt, fordern Fans von Fenerbahce Istanbul lautstark eine Rückkehr des Mazedoniers. Bei Fenerbahce reifte er zwischen 2017 und 2019 zum Profi heran. "Fenerbahce war ein entscheidender Ausgangspunkt für mich, auch wenn das erste Jahr sehr schwierig war. Mein zweites Jahr war großartig. Wenn man zurückblickt, konnte in diesem Alter nicht jeder für Fenerbahce spielen. Wenn ich sie an einer Hand abzählen müsste, wären es Salih Ucan, ich selbst, Arda Guler und Ferdi Kadioglu."
"Heute gibt es mehr junge Spieler. Damals begann die Zeit, in der junge Akteure aufstiegen und ins Rampenlicht gedrängt wurden. Ich glaube, dass ich deshalb ein Gefühl hinterlassen habe, weil ich so früh gegangen bin. Vielleicht habe ich die Fans mit dem Wunsch zurückgelassen, mich wiederzusehen. Aber ich sage immer, dass ich eines Tages zurückkehren möchte. Ich muss nur nicht genau festlegen, wann oder wie."
"Wir haben mit dem Klub einige Male über meine Rückkehr gesprochen. Ich glaube aber nicht, dass der richtige Zeitpunkt schon gekommen ist. Ich bin überzeugt, dass ich noch in Europas Topligen spielen und mich auf höchstem Niveau beweisen kann."
Für die laufende Saison stehen vor allem bessere persönliche Leistungswerte im Fokus. Sein größter Traum bleibt es jedoch, Nordmazedonien zu einer Weltmeisterschaft zu führen. An Ehrgeiz mangelt es dem 27-Jährigen keineswegs: "Ich möchte eine komplette Saison spielen und sehen, wo ich statistisch stehe. Denn wenn man sich meine Zahlen anschaut, sind sie nicht ganz dort, wo sie sein sollten. Das ist das Einzige, was mir fehlt. Meine Statistiken sind ein großes Problem. Wenn ich dieses statistische Problem lösen könnte, würden die Leute über einen anderen Spieler sprechen."
"Deshalb glaube ich, dass ich zunächst meine Zahlen verbessern muss. Danach kann sich die Diskussion um einen anderen Eljif drehen. Ich habe keinerlei Zweifel an meiner Qualität, weil ich genau weiß, was ich leisten kann."
"Außerdem war es immer mein Traum, mit Nordmazedonien bei einer Weltmeisterschaft zu spielen. Ich habe 2017 an der U21-Europameisterschaft und 2021 an der Europameisterschaft teilgenommen. Die Weltmeisterschaft ist also mein größtes Ziel. Natürlich müssen wir uns Jahr für Jahr weiterentwickeln."
"Wir dürfen uns nicht nur auf die Weltmeisterschaft konzentrieren. Zuerst müssen wir auf die Europameisterschaft 2028 schauen, danach folgt die Weltmeisterschaft. Solange ich fit bin und meine Beine mitmachen, werde ich immer mein Bestes geben. Mein Ziel wird es immer sein, so lange wie möglich bei der Europameisterschaft und der Weltmeisterschaft zu spielen."
"Und ich hoffe, dass ich meine Karriere nicht beenden werde, bevor ich mich für eine Weltmeisterschaft qualifiziert habe – selbst wenn das erst nach meinem 40. Geburtstag passiert", beendet Elmas das Gespräch.
