"Erhebliche Risiken für Fans": Wissenschaftler warnen FIFA vor Extrem-Hitze bei WM

48 Teams treten ab Juni bei der WM in Nordamerika an.
48 Teams treten ab Juni bei der WM in Nordamerika an.Brett Davis-Imagn Images via REUTERS

Mehrere Wissenschaftler haben die FIFA eindringlich vor extremen Wetterbedingungen mit drückender Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit gewarnt. Unter diesen Bedingungen wird die Fußball-Weltmeisterschaft in diesem Sommer in Nordamerika ausgetragen. Die Warnungen stammen von zwei unabhängigen Expertennetzwerken aus den Bereichen Klima, Gesundheit und Sport: Zum einen von der Organisation World Weather Attribution (WWA), zum anderen von rund zwanzig Forschern, die einen offenen Brief an die FIFA gerichtet haben.

Laut WWA könnte ein Viertel der Spiele dieser WM, die vom 11. Juni bis 19. Juli in Kanada, den USA und Mexiko stattfindet, unter extrem belastenden Hitzebedingungen über die Bühne gehen. Durch die globale Erwärmung ist das Problem heute weitaus gravierender als bei der letzten US-WM im Jahr 1994.

"Unsere Forschung zeigt, dass der Klimawandel einen realen und messbaren Einfluss darauf hat, ob Weltmeisterschaften im Sommer auf der Nordhalbkugel überhaupt noch sicher durchgeführt werden können", betont Friederike Otto, Professorin für Klimawissenschaften am Imperial College London und Mitbegründerin der WWA.

Die Experten analysierten für ihre Untersuchung alle 104 angesetzten Spiele in den 16 Stadien der 48 teilnehmenden Teams. Für ihre Prognosen nutzten sie den sogenannten Feuchtkugel-Temperaturindex (WBGT), der Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und Bewölkung kombiniert. Das Tückische dabei: Eine scheinbar moderate Temperatur kann bei hoher Luftfeuchtigkeit schnell gefährlich werden. Ein WBGT-Wert von 28°C entspricht etwa 38°C bei trockener Hitze oder 30°C bei extrem schwülem Wetter.

Rund 26 Partien (ein Viertel aller Spiele) werden voraussichtlich bei Werten von 26°C WBGT oder mehr stattfinden. Laut Spielergewerkschaften macht dies zusätzliche Kühlmaßnahmen unumgänglich. Etwa fünf Spiele könnten sogar die kritische Schwelle von 28°C WBGT überschreiten. Bei solchen Extremwerten wird medizinisch sogar eine Spielabsage empfohlen, wie Otto vor Journalisten erklärte.

Trinkpausen laut Experten "zu kurz"

Die Forscher identifizierten vor allem tagsüber stattfindende Partien in offenen Stadien als "Hochrisikospiele" – insbesondere in Miami, Kansas City und im Großraum New York/New Jersey. Zwar sind andere Stadien klimatisiert, was die Risiken für Profis und Zuschauer im Stadion senkt, doch Otto gibt zu bedenken:

"Es bestehen auch erhebliche Risiken für die Fans, die sich draußen versammeln. Sie sind sogar noch stärker gefährdet, weil sie im Ernstfall nicht sofort von zahlreichen Ärzten betreut werden."

Ab einem Wert von 26°C WBGT sind selbst bestens vorbereitete und an Hitze gewöhnte Athleten bei intensiven Intervallbelastungen nicht mehr in der Lage, ihren Wärmehaushalt stabil zu halten. Die von der FIFA geplanten dreiminütigen Pausen pro Halbzeit seien daher viel zu kurz für eine wirksame Abkühlung und Flüssigkeitsaufnahme. Die Experten fordern stattdessen mindestens sechs Minuten Pause. Die FIFA führt diese systematischen Trinkpausen bei dieser WM zum ersten Mal ein.

Auch UN-Klimachef Simon Stiell äußerte sich besorgt: "Das Risiko von Hitzewellen hat sich seit 1994 verdoppelt, was Spieler und Fans gleichermaßen gefährdet." Er forderte dazu auf, schneller zu handeln, um den Sport und seine Anhänger zu schützen und die Energiewende entschlossener voranzutreiben.

Auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP verwies die FIFA auf ihre bestehenden Präventionsmaßnahmen. Der Verband betonte, die Bedingungen vor Ort kontinuierlich und in Echtzeit zu überwachen. Dabei werden sowohl der Feuchtkugel-Index als auch der allgemeine Hitzeindex einbezogen, um bei extremen Wetterereignissen sofort die vorbereiteten Notfallprotokolle zu aktivieren.