Die Vorbereitung: Lichtblicke, Lehrgeld und ein gelungener Abschluss
Die Vorbereitung begann vielversprechend. Gegen Lettland feierte Österreich in Riga einen 4:3-Erfolg und überzeugte dabei mit Leidenschaft, Effizienz und einem starken Florian Vorauer im Tor. Maximilian Rebernig, Benjamin Nissner, Luca Erne und Lucas Thaler sorgten für die Treffer. Einen Tag später folgte gegen denselben Gegner eine knappe 0:1-Niederlage, in der Österreich erneut gut mithielt, aber offensiv ohne Tor blieb.
Gegen Italien setzte sich das ÖEHV-Team anschließend nach Verlängerung durch. Nissner brachte Österreich mit einem Doppelpack in Führung, ehe Italien zurückkam. In der Overtime entschied Peter Schneider die Partie. Danach folgten zwei klare Standortbestimmungen gegen Tschechien: Beim 1:5 in Wien und beim 0:4 in Jihlava wurde sichtbar, wie groß der Abstand zu einer Topnation sein kann.
Auch gegen Deutschland setzte es eine Niederlage. Beim 2:5 zeigte Österreich im Schlussdrittel Moral und kam durch Thaler und Mario Huber noch einmal auf 2:3 heran, insgesamt war das DEB-Team aber über weite Strecken überlegen. Die Generalprobe gelang dann wieder: Gegen Slowenien gewann Österreich in Klagenfurt 4:1. Schneider traf doppelt, dazu scorten Leon Kolarik und Nissner. Gerade dieses Spiel war wichtig, weil Slowenien mit seiner unangenehmen Spielweise ein guter Vorgeschmack auf die Duelle mit Großbritannien und Ungarn war.

Der Kader: Im Tor stabil, vorne stark geschwächt
Im Tor ist Österreich gut aufgestellt. David Kickert, Atte Tolvanen und Vorauer bilden ein Trio, das Erfahrung, Qualität und Form mitbringt. Gerade in einer Gruppe, in der Österreich oft unter Druck geraten wird, kann die Torhüterleistung zum entscheidenden Faktor werden. Auch die Defensive ist solide besetzt, allerdings fehlt nach dem Karriereende von Dominic Heinrich ein erfahrener Führungsspieler. Dazu kommt, dass David Reinbacher nicht zur Verfügung steht, weil er im Umfeld der Montreal Canadiens bleibt.
Die größten Sorgen liegen im Angriff. Mit Thomas Raffl, Marco Rossi, Marco Kasper und Benjamin Baumgartner fehlen wichtige Offensivkräfte, die Österreich normalerweise Tiefe, Tempo und Scoring-Qualität geben würden. Umso wichtiger ist, dass Vinzenz Rohrer nun doch dabei ist. Nach dem AHL-Aus von Laval Rocket wurde er, anders als Reinbacher, nicht von den Montreal Canadiens hochgezogen und erhielt grünes Licht für die WM.
"Für mich war klar, dass ich bei der WM spielen möchte, wenn ich in keinem Bewerb mehr stehe. Ich spiele immer gerne für Österreich und bin gerne mit den Jungs zusammen. Wir haben immer eine super Stimmung im Team. Die WM in Zürich ist natürlich speziell. Ich habe viele Freunde hier, zudem ist meine Heimat Vorarlberg nahe. Es werden sicher viele zuschauen kommen. Ich freue mich, dass ich jetzt beim Nationalteam bin und es am Wochenende los geht“, sagte der 21-jährige Angreifer.
Die Gruppe: Der Start entscheidet fast alles
Der Spielplan hat es in sich, bietet aber auch eine klare Chance: Erstmals warten die direkten Abstiegskonkurrenten gleich zu Beginn. Am 16. Mai geht es gegen Großbritannien, einen Tag später gegen Ungarn. Genau in diesen Spielen muss Österreich punkten. Das kann Vorteil und Druck zugleich sein.
Vorteil, weil die wichtigsten Duelle früh kommen und Österreich mit voller Energie in das Turnier starten kann. Druck, weil ein Fehlstart kaum zu reparieren wäre. Danach warten mit Lettland, der Schweiz, Deutschland, Finnland und den USA Gegner, gegen die Punkte zwar nicht unmöglich, aber deutlich schwerer einzuplanen sind. Vor allem gegen Großbritannien und Ungarn muss Österreich daher seine Struktur, Disziplin und Effizienz abrufen. Zwei Siege würden dem Team sofort Luft verschaffen.
Zielsetzung: Klassenerhalt vor Träumen
Nach dem Viertelfinale 2025 ist die Erwartungshaltung naturgemäß gestiegen. Doch die Realität 2026 ist eine andere. Österreich ist nicht in Bestbesetzung, vor allem die offensive Tiefe fehlt. Deshalb wäre es falsch, den Viertelfinaleinzug als Maßstab zu nehmen. Das klare Ziel ist der Klassenerhalt – und idealerweise soll dieser schon über die Spiele gegen Großbritannien und Ungarn abgesichert werden.
Gelingt ein starker Start, kann Österreich befreiter auftreten und vielleicht wieder für eine Überraschung sorgen. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass dieses Team unangenehm sein kann. Heuer wird der Weg aber schwieriger als zuletzt. Österreich fährt nicht als Außenseiter ohne Chance zur WM, aber als Mannschaft, die sich jeden Punkt hart erarbeiten muss. Der Klassenerhalt wäre unter diesen Umständen ein Erfolg. Alles darüber hinaus wäre Bonus.
