Prozess um Maradonas Tod: Arzt behauptet, Diuretika hätten das Idol retten können

Das Abbild Diego Maradonas auf einem Wandbild in Neapel
Das Abbild Diego Maradonas auf einem Wandbild in NeapelREUTERS/Ciro De Luca

Im argentinischen Prozess um den Tod von Diego Maradona im Jahr 2020 belastete ein ehemaliger Behandlungsarzt die Verantwortlichen schwer. Der Intensivmediziner Mario Schiter, der bereits Anfang der 2000er Jahre für Maradona zuständig war und später der Autopsie als Beobachter beiwohnte, erklärte, dass sich der Zustand der Fußball-Legende innerhalb von 48 Stunden hätte stabilisieren können, wenn man ihm rechtzeitig ein Diuretikum verabreicht hätte.

"Er hatte massive Flüssigkeitsansammlungen im Herzbeutel, in der Pleura und im Bauchraum", so Schiter. Er betonte, dass Patienten mit einer solchen kongestiven Herzinsuffizienz auf der Intensivstation zum Alltag gehören: "Wir entlasten sie mit Diuretika, und oft können sie bereits nach 12 Stunden wieder nach Hause."

Schiters fast fünfstündige Aussage am zehnten Verhandlungstag in San Isidro untermauerte die Berichte zahlreicher Experten. Diese hatten bereits zuvor darauf hingewiesen, dass Maradonas Körper zum Todeszeitpunkt aufgrund multipler Ödeme förmlich "mit Wasser gefüllt" war. Der Weltmeister von 1986 verstarb am 25. November 2020 an einem Lungenödem und Herzversagen, während er sich nach einer Gehirnoperation in häuslicher Pflege befand.

Eklat im Gerichtssaal durch Leopoldo Luque

Für einen handfesten Skandal sorgte der Hauptangeklagte, Maradonas ehemaliger Hausarzt und Neurochirurg Leopoldo Luque. Ohne Vorwarnung ließ er Videoaufnahmen der Autopsie abspielen. Maradonas Tochter Gianinna, die den Prozess verfolgte, wurde von den expliziten Bildern ihres verstorbenen Vaters völlig unvorbereitet getroffen.

In einem emotionalen Ausbruch rannte sie schreiend aus dem Saal und bedachte Luque dabei mit schweren Beleidigungen. Üblicherweise informieren die Anwälte die Angehörigen vorab über solches Beweismaterial, damit diese rechtzeitig den Raum verlassen können. Die Sitzung musste nach dem Vorfall abgebrochen werden.

Die juristische Lage

Neben Luque müssen sich sechs weitere medizinische Fachkräfte wegen Totschlags mit Eventualvorsatz verantworten. Die Anklage wirft ihnen vor, den Tod des Idols durch ihr Handeln billigend in Kauf genommen zu haben; im Falle einer Verurteilung drohen bis zu 25 Jahre Haft. Ein achter Verdächtiger steht in einem separaten Verfahren vor einem Geschworenengericht.

Der aktuelle Prozess ist bereits der zweite Anlauf in diesem Fall. Das erste Verfahren im Jahr 2025 war annulliert worden, nachdem bekannt wurde, dass die vorsitzende Richterin heimlich eine Dokumentation über den Fall gedreht hatte.